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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Wildeshausen

Was lange währt, wird endlich nass

13.09.2014

Wildeshausen „Schwimmen jetzt auch im tiefsten Winter“, „Zweckmäßig, einfach und schön“, „Wohlig warmes Wasser: 24 Grad“ lauteten die Überschriften in der NWZ, als am 23. November 1973 das „Europabad Wildeshausen“ offiziell eingeweiht wurde. Nach einjähriger Bauzeit war es der einheimischen Firma Carl Reuter gelungen, den Bau trotz der verheerenden Novemberstürme vom Vorjahr zum vorgegebenen Termin fertigzustellen.

Zur Einweihung des 3,7 Millionen DM teuren Baus, der zusammen mit dem gleichzeitig eröffneten Gymnasium die Ausstrahlungskraft Wildeshausens als Mittelzentrum deutlich stärkte, kam sogar der Präsident des Niedersächsischen Verwaltungsbezirks Horst Milde.

Europa im Krandel

Der Idee des Europabades liegt ein Seminar des Europarates von 1967 zugrunde. Auf internationaler Ebene führten Fachleute Untersuchungen für den Bau von preiswerten Schwimmbädern durch. Die so gewonnenen Erkenntnisse wurden von dem international anerkannten Bäderarchitekten Professor Friedrich Florian Grünberger aus Wien zu einem Grundtyp „Europabad“ geformt.

Das neue Bad trägt den schlichten Namen „Krandelbad“. Ein betuchter Namensgeber, der sich gegen die Spende von einer Million Euro hätte verewigen können, fand sich nicht.

Neben einem wettkampftauglichen Sportbecken mit fünf 25-Meter-Bahnen, dessen Wassertemperatur bei 28 Grad Celsius liegen soll, gibt es zudem ein kleineres Nichtschwimmerbecken, in dem sich bei 33 Grad Celsius vor allem auch Babys und Kleinkinder wohlfühlen werden. Dieses Becken ist zudem mit Düsen ausgestattet, die für Whirlpool-Atmosphäre sorgen.

Das neue Bad ist als Ganzjahresbad konzipiert. Im Sommer lässt sich die Fensterfront zum Freibad großflächig öffnen, so dass eine Einheit entsteht. Ein Automat im Eingangsbereich liefert Snacks und Getränke. Eine Sitzlounge lädt zum Verweilen ein.

Die Öffentlichkeit kann das neue barrierefrei konzipierte Bad jeden Tag bis auf montags nutzen, wo es DLRG und Schwimmverein vorbehalten ist.

Zahn der Zeit

Doch der Zahn der Zeit nagte auch am schmucken „Europabad“. Unter Bürgermeister Franz Duin zollte man dem Rechnung und startete die erste große Sanierung samt Erweiterung. 2,15 Millionen Euro – geplant waren eigentlich 2,58 Millionen DM – investierte die Stadt 2001/2002 in ein moderneres Hallenbad. Doch der langfristige Erfolg blieb aus, denn es gab bauphysikalische Mängel, die 2006 bei einer Tragwerksprüfung entdeckt wurden. Die Ionen aus dem Chlorwasser waren eine zerstörerische Wechselwirkung mit dem Betonbecken eingegangen. Korrosionsstellen und Leckagen wurden gefunden. Versuche, das örtliche Architekturbüro dafür haftbar zu machen, liefen allerdings ins Leere.

Erneute Gutachten von Experten ließen in den Folgejahren die voraussichtlichen Kosten für eine zweite grundlegende Sanierung immer weiter in die Höhe schnellen. So bezifferte die Planungsgruppe Hildesheim den Sanierungsbedarf im September 2007 auf rund 4,25 Millionen Euro. Die Bremer Ingenieurgesellschaft Bannert kam im Juli 2008 sogar auf 7,78 Millionen Euro für Hallen- und Freibad.

Gespräche mit privaten Investoren verliefen ergebnislos. Bereits Anfang 2008 musste das Bad erstmals vorübergehend geschlossen werden, weil korrodierende Deckenelemente in den Umkleideräumen die Sicherheit der Badegäste gefährdeten.

Vorstoß für Neubau

Die CDU/FDP schloss kurz darauf einen Neubau nicht länger aus. Ein Architektenwettbewerb sollte ausgeschrieben und ein Arbeitskreis mit einem Projektmanager sollte eingerichtet werden. Hiergegen legte Bürgermeister Dr. Kian Shahidi jedoch Einspruch ein, weil er davon seine Kompetenzen als Chef der Verwaltung berührt sah. Ein Jahr lang passierte nichts.

Mitte Juli 2009 startete die UWG schließlich eine Unterschriftenaktion für die Sanierung des alten Bades. Wie auch der Bürgermeister unterschrieben mehr als 2800 Wildeshauser.

Im September 2009 setzte die CDU/FDP-Mehrheitsgruppe jedoch den Neubaubeschluss durch. Im Mai 2010 wurden die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs vorgestellt. Kosten: stolze 13 Millionen Euro. Es begann die Suche nach Einsparmöglichkeiten und Fördermitteln.

Plötzliche Schließung

Der Knall kam Anfang Oktober 2010, als Bürgermeister Dr. Kian Shahidi das alte Hallenbad wegen des fehlenden Versicherungsschutzes mitten im laufenden Betrieb schließen ließ.

Die neu gegründete Interessengemeinschaft Hallenbad unter Vorsitz von Manfred Rebensburg sammelte daraufhin fleißig Ideen, wie es weitergehen könnte. Eine davon war die Installation einer Traglufthalle für das Freibad, die Gegner und Befürworter eines Neubaus miteinander versöhnen sollte. Einen weiteren, dann auch umgesetzten Vorschlag zur Finanzierung brachte Uwe Leinemann ins Gespräch: Das neue Bad sollte mit der Wärme aus dem Abwassernetz geheizt werden.

Nicht weiter verfolgt wurde der Ansatz eines Bäderverbund mit den Stadtwerken Delmenhorst.

Im März 2011 rückten schließlich auch UWG und Bürgermeister endgültig von einer Sanierung ab. Zu desaströs war der Zustand des alten Bades laut Gutachten des Bremer Ingenieurbüros Bellmer.

Kurz darauf fiel die finale Entscheidung für den Neubau des Hallenbades und die Sanierung des Freibades für maximal zehn Millionen Euro. Erneut wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben.

Den Zuschlag bekam im Oktober 2011 das Planungsbüro De Witt Janßen aus Bad Zwischenahn. Dessen abgespeckter Entwurf sollte rund sechs Millionen Euro zuzüglich der Abbruchkosten kosten. Um nach den schlechten Erfahrungen der Vergangenheit auf Nummer sicher zu gehen, wurde mit Controller Heiko Büthe ein weiterer Profi ins Boot geholt.

Abrissbagger rollen

Nachdem im März 2012 Entwurf und Kostenrahmen beschlossen worden waren, rollten Ende 2012 die Abrissbagger an.

Im März 2013 war es endlich soweit: Der Grundstein für das neue Hallenbad wurde unter großem Beifall gelegt. Bei den folgenden gut ein Jahr dauernden Bauarbeiten gelang es, sowohl Zeitplan als auch Kostenrahmen einzuhalten.

Somit kann an diesem Sonntag das neue rund sieben Millionen Euro teure Bad, das dank des Engagements der UWG sogar über fünf statt vier Bahnen verfügt, offiziell eingeweiht werden. „Endlich wieder schwimmen nach vier langen Jahren“ könnte die Überschrift lauten.

Uta-Maria Kramer Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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