WILDESHAUSEN - So etwas erlebt der Wildeshauser Bürgermeister eher selten: Als Dr. Kian Shahidi nach seinem Vortrag nachhakte, ob noch Fragen offen geblieben seien, gingen gut ein Dutzend Hände in die Höhe. „Was passiert, wenn es im Stadtrat eine politische Mehrheit gibt, in der die Partei des Bürgermeisters nicht vertreten ist?“, wollte Luc-Emmanuel (13 Jahre) wissen. „Ich lebe gut damit“, so Shahidi. Es gäbe keine Probleme, da er ja parteilos sei.
25 Schülerinnen und Schüler des Collège Sacré Coeur aus der Wildeshauser Partnerstadt Evron wurden am Mittwochmorgen im historischen Rathaus empfangen. Die französischen Gäste, die von den Lehrern Didier Planchais und Cathrine Dubos begleitet werden, halten sich bis zum kommenden Donnerstag in der Kreisstadt auf. Untergebracht sind die Achtklässler, die in ihrer Heimat Deutsch als erste Fremdsprache erlernen, in hiesigen Gastfamilien.
„Ihr seid die Zukunft des Landes“, begrüßte Shahidi die Jugendlichen. Er erläuterte den Wirtschaftsstandort, warb für touristische Attraktionen wie das Pestruper Gräberfeld und lud die Gäste ein, die diversen Sportangebote zu nutzen. Die Jugendlichen machten sich eifrig Notizen. Unter Anleitung der Gästeführerinnen Ursula Klawonn und Petra Ostermeier erwarben alle schließlich den Wildeshauser Meisterbrief.
Die Jugendlichen nehmen in den eineinhalb Wochen am Unterricht des Gymnasiums teil, so Schulleiter Ralf Schirakowski. Zudem sind Reisen zum Museumsdorf Cloppenburg, nach Lübeck und Hamburg eingeplant. Das Interesse an deutscher Kultur und der Sprach ist groß. „Ich wollte schon immer gern nach Deutschland“, erzählte Marion (12), die sich später eine berufliche Tätigkeit als Korrespondentin vorstellen kann. Klassenkamerad Luc-Emmanuel sagt, er sei an der Architektur interessiert. Verwundert zeigt er sich darüber, dass in der Innenstadt so wenig Autos fahren. Über das Internet pflegen sie bereits seit langem Kontakt zu deutschen Freundinnen und Freunden.
