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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Wildeshausen

Legendären Stoff unter die Lupe genommen

31.01.2020

Wildeshausen Die Bedeutung des Heiligen Alexander in der Wildeshauser Stadtgeschichte: Sie beschäftigt Axel Fahl-Dreger, ehemaliger Leiter des Museums Zeughaus in Vechta, schon länger. 2012 sprach er zu dem Thema erstmals in der Reihe „Geschichte im Rathaus“ des Bürger- und Geschichtsvereins.

Mit neuen Erkenntnissen aus rund zehnjähriger wissenschaftlicher Arbeit rund um den Heiligen Alexander, der als Kopfbild im Wappen der Stadt Wildeshausen zu finden ist, wartete Fahl-Dreger jetzt am Mittwochabend auf. „Der Alexanderstoff und seine Geheimnisse“ hieß das Thema. Rund 40 Geschichtsinteressierte fanden sich dazu im Historischen Rathaussaal ein.

Was hat es mit dem
Alexanderstoff auf sich
?

 Fahl-Dreger: „Die Entschlüsselung der Ikonographie des ,Alexanderstoffes‘ war lange Zeit ein Geheimnis.“ Der Heilige Alexander, gestorben 115 n. Chr. sei ein etwa 1,60 bis 1,65 cm großer Mann gewesen, der als Märtyrer starb und heilig gesprochen wurde. Rückschlüsse auf die Körpergröße ließen die Reliquien der Hände und Ellenknochen zu. Die Elle messe 24 cm.

Woraus besteht der Alexanderstoff?

Er besteht genau genommen aus drei Tüchern, wie der Referent erläuterte. Einem Inneren, das die Reliquien einhüllt, dann einem gelben Seidenstoff und ein äußerlicher sandfarbener Stoff. Das Gelb stehe für das Licht Gottes und die Auferstehung ins Himmelreich. Das einfachere Leinentuch drückt das irdische Leben aus, berichtete Fahl-Dreger.

Der Reliquienstoff, der die Körperteile einhüllt, wurde schon vor Jahren auf Initiative des Zeughaus-Museums in Vechta als Reproduktion nachgewebt.

Wie ist die Symbolik zuinterpretieren?

Die Symbolik auf dem Tuch ist vielsagend und von tiefer religiöser Bedeutung. Fahl-Dreger sieht darin eine Komposition zum Thema Unendlichkeit und Ewigkeit. Auf Podesten sind Zierbäume zu sehen, darüber ebenfalls Podeste mit asymetrisch angeordneten „geflügelten Hunden“ als Himmelswesen und Seelenführer. Die vier Beine stehen im irdischen Universum. Es geht um die Begriffe Welt, Gut und Böse, Leib und Seele. Für Fahl-Dreger die religiöse Botschaft und Symbolik für den Heiligen Alexander. Versteckt im Stoff sei eine dunkelblaue Farbgebung, für Himmel und Finsternis. Darin stehen die geflügelten Hude, für den Glauben und Hilfe zum Glauben.

Was bedeuten die
Podeste mit Perlendekor
?

Weiter wies der Referent auf die Podeste mit Perlendekor hin. Die sieben Perlen in den Podesten mit den Hunden stehen für Alexander und seine sechs Brüder und für Vollkommenheit sowie Gott und die Welt. Die fünf Zweige der Lebensbäume zeigen die Wundmale Christi. Zwei rote davon das Versprechen der Erlösung von den Sünden und die Auferstehung. Fünf Perlen, als Wurzeln der Bäume, sind die fünf Bücher Mose sowie Gottesoffenbarung und Bundesschluss auf dem Sinai.

Was ist die
Siebenschläferlegende
?

Lange hatte Fahl-Dreger nach der Bedeutung der Hunde geforscht. Letztendlich fand er die Lösung in der „Siebenschläferlegende“, die Auferstehung der sieben Brüder.
Der römische Kaiser Decius (um 251 n. Chr.) ließ der Legende nach sieben Jünglinge in der Höhle Ephesos lebendig mit einem Hund als Wächter einmauern. Einige Jahrhunderte (401-450) später wurde die Höhle unter Thoedosius II geöffnet. Wie durch ein Wunder wachten die Jünglinge aus einem Schlaf auf, um dann kurze Zeit später zu sterben. Die Auferstehung wurde beschrieben und auf dem „Alexanderstoff“ festgehalten. 1926 wurde die Siebenschläferhöhle übrigens wiederentdeckt. Die Wunderlegende ist auch beim Heiligen Alexander wiederzufinden. Beschrieben wird das Martyrium (162 nach Chr. der Heiligen Felicitas und ihren Söhnen Alexander, Januarius, Felix, Philippus, Silvanus, Vitalis und Martialis. Ihnen wird wegen ihres christlichen Glaubens der Prozess gemacht. Zum Teil enthauptet oder anderen Todes werden sie beerdigt. Wegen ihres Martyriums gelten sie fortan bei den Christen als heilig. Fahl-Dreger hatte mit seiner Frau die Gelegenheit die Katakombe Felicitas im Rom zu besichtigen. Ihr wurde in Rom später eine Kirche gewidmet.

Wie ist der Bezug von Alexander und Wildeshausen ?

 Graf Waltbert, Enkel des Sachsenkönig Wittekind, bat beim Kaiser um eine Reliquie für die Burg in Wildeshausen und für seine Treue und Hilfe. Schließlich wurde ihm die Ganz-Körper-Reliquie Alexander zugesagt und nach Wildeshausen gebracht. Im Jahr 851 n. Chr. kamen die Überreste des Heiligen in Wildeshausen an. Die Legende besagt, dass verschiedene Wunder auf dem Transport stattfanden, die in den Ausführungen „Die Wunder des Heiligen Alexander“ schriftlich fixiert wurden.

Wo ist der Originalstoff heute zu sehen ?

Heute sind Hände und Ellen in der Probstei-Kirche in Vechta (seit 1699) ausgestellt und 24 cm des Originalstoffes aus der Zeit der Überführung. 1632 sollen schwedische Söldner Teile der Reliquie in die Hunte geworfen haben. Das Kopfreliquiar gilt als verschollen.

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