WILDESHAUSEN - von Anja Biewald

Wie viele Teller mit leckerem Kalbsbraten oder Fisch Guste Bolte den Männern der Wachkompanie – und auch so manchem Offizier – schon serviert hat, kann sie nicht mehr zählen. Es müssen Hunderte, wenn nicht Tausende in den vergangenen 50 Jahren gewesen sein. So lange ist die 82-Jährige schon die Küchenfee der Gilde-Wachkompanie.

Mit großmütterlicher Bestimmtheit hatte die Rentnerin ihre Jungs in den vergangenen Jahren immer im Griff: „Die Männer waren ganz anständig, da kann ich nicht klagen.“ Stets hat sie dafür gesorgt, dass die Mägen der Männer gut gefüllt waren, bevor sie sich wieder ins Gilde-Getümmel der Kreisstadt stürzten. Doch auch die Zeit zum Mitfeiern fand Guste Bolte immer, sie stand zwar viel, aber nicht nur hinter den Töpfen. „Eine Küchenfrau wie unsere Guste ist nicht zu ersetzen“, findet der Fourier der Wachkompanie. Rolf Tepe, nimmt die 82-Jährige am Mittwochabend im historischen Rathaus in den Arm und drückt ihr einen Schmatz auf die Wange. „Du hast dich heute nicht rasiert“, stellt die Seniorin sofort mit kritischem Unterton fest. Doch dafür lieben die Männer, die für Ordnung in den Reihen der Gilde und beim Fest sorgen, ihre Guste.

Eigentlich heißt die Frau ja Auguste, doch die Wachkompanie ruft sie schon seit 50 Jahren nur Guste. Damals wohnte die Frau noch in der Burgstraße und hatte dort eine richtig große Küche. Als die Wachkompanie sie fragte, ob dort das Essen während der Festwoche zubereitet werden könne, ließ sie sich nicht lange bitten. Fortan wurden dort die Braten in den Ofen geschoben.

Am Mittwochabend ehrten die Mannen der Wachkompanie nach dem Kraftbrüheessen in der Gaststätte Wolters ihre Guste für ihren jahrelangen Einsatz um das leibliche Wohl der Gildebrüder. „Das heißt aber noch lange nicht, dass für Guste damit jetzt Schluss ist: Wenn sie fit ist, dann freuen wir uns, wenn sie beim nächsten Gildefest wieder hier bei uns ist“, so Tepe. Doch bis dahin wird die 82-Jährige noch die eine oder andere Stunde mit der Truppe verbringen – auch außerhalb des Gildefestes.