Wildeshausen - Für Reinhard Rang ist es ein Jubiläum gewesen. Zum 50. Mal gehörte er am Samstagabend zu den Teilnehmern der illustren Runde der Wildeshauser Eisschollen-Wette. „Vielleicht vier-, fünfmal ist sie zugefroren gewesen“, schätzte der Jubilar, wie oft der Fluss mit Eis bedeckt war. Ziemlich selten also, so dass das Jahr 2020 zu den ganz normalen zählt. Die Hunte floss kurz vor der Evron-Brücke gemächlich in Richtung Wasserkraftwerk, von Eis war nicht einmal ein Hauch zu sehen. Damit galt auch 2020: Die Hunte „geiht“. Bei Außentemperaturen von sechs Grad plus und bisher wenigen Nachtfrösten war das keine Überraschung. Daran änderte auch der kalte Wind bei der kurzen Zeremonie an der Landskrone nichts.

Diesmal waren es elf Herren, die sich im schwarzen Mantel und mit Zylinder um den kleinen Bollerwagen zur Eisschollen-Wette versammelten. Der zwölfte war verhindert, wie Wilhelm Meyer berichtete. Wie immer gab es zu Stärkung Schluck und Käsehappen, von Gerhard Lübben serviert. Richard Hakemann und Helmut Rang schnappten sich um 20 Uhr den Eisblock, den Jochen Meyer mitgebracht hatte. Gemeinsam warf das Duo ihn ins Wasser und sah ihn davonschwimmen. Dazu wurde mehrfach „Gut Scholle“ gerufen. Das letzte Mal, dass die Wetter auf eine vereiste Hunte getroffen waren, war 2009, wusste Meyer zu erzählen.

Wer für eine stehende oder fließende Hunte stimmt, entscheiden Lose. Somit gibt es bei den Traditionswettern, seit 1962 immer am 11. Januar, immer sechs Gewinner und sechs Verlierer. Die Verlierer müssen das anschließende Festessen, „ein halbes Hähnchen mit trocken Brot“, in den Gildestuben bezahlen.

Bei Jubilar Rang hat sich das Gewinnen und Verlieren übrigens über die Jahre ziemlich die Waage gehalten.