WILDESHAUSEN/GANDERKESEE - Als Hans Siedenburg im Oktober 2000 sein Amt als Direktor des Amtsgerichts Wildeshausen aufgab und in den Ruhestand wechselte, wollte er eigentlich Abstand zum Beruf suchen. „Ich habe nach wie vor sehr guten Kontakt zu vielen Kollegen“, erzählt der 70-jährige ehemalige Richter, der mit seiner Frau Thea in Ganderkesee lebt. Doch ganz lassen kann er von seiner einstigen Profession doch nicht. Als Siedenburg gefragt wurde, ob er für einen Sonderband, gefördert mit Mitteln der Oldenburgischen Landschaft, einen Beitrag zur Geschichte des Amtsgerichts Wildeshausen verfassen könnte, nahm er den Auftrag gern an.

Vor fast 150 Jahren, im Jahr 1858, installierte das damalige Großherzogtum Oldenburg die Amtsgerichte – auch in Wildeshausen. Das Datum ist Anlass für das Buch. Also vergrub sich Siedenburg in Archive, sichtete Material und sprach mit zeitgeschichtlich bewanderten Wildeshausern. „Die Forschung ist richtig spannend“, meint der einstige Richter. Er bedauert, dass viele Akten über die Jahrzehnte doch verloren gingen.

Auf 20 Seiten hat Siedenburg die Historie des Gerichts bereits zusammengetragen. So nahm ab 1858 ein Assessor Maximilian von Negelein in Wildeshausen seine Arbeit auf; ab 1868 durfte er offiziell den Titel Amtsgerichtsdirektor führen. Zum Stammpersonal gehörte damals neben dem Richter der Aktuar (Schriftführer), ein Bote und ein Schließer. Unter den Richtern gab es namhafte Persönlichkeiten, darunter Carl von Heimburg (1847-1935), dem sogar der Sprung in den Oldenburger Landtag gelang.

Das 1730 fertiggestellte Amtshaus sei zeitweise auch als Sitz des Gerichts und des Katasteramts genutzt worden. 1898 sei dann auf der Herrlichkeit das Amtsgericht, der heutige Sitz des Polizei-Kommissariats, gebaut worden. Siedenburg: „Die Baudirektion hat damals die veranschlagten Kosten exakt eingehalten.“ Bei seiner Forschung entdeckte er architektonische Besonderheiten. In alten Urteilen tauchten bekannte Wildeshauser Namen auf, so Siedenburg, ohne Details zu verraten. Seit 1991 ist das Amtsgericht in einem Neubau an der Delmenhorster Straße untergebracht.

Siedenburg, der 1972 als jüngster „aufsichtsführender Richter“ in Niedersachen zum Amtsgericht Wildeshausen kam, pflegt aber noch weitere Hobbys: Er spielt Hockey beim HCD in Delmenhorst, liest gern, spielt leidenschaftlich Klavier oder pflegt den herrlich angelegten Garten nebst Teich. Als Vorsitzender des Fuhrenkampschutzvereins kämpft er dafür, die gewachsene Kulturlandschaft zu erhalten. Lob zollt der 70-Jährige dem Wildeshauser Justizverein, der unter anderem für den Erhalt des Amtsgerichts in der Kreisstadt eintritt. Das Buch zum 150-jährigen Bestehen der Amtsgerichte in der Region möchte Siedenburg 2008 daher gern in Wildeshausen präsentieren.