WILDESHAUSEN - Olympische Höchstleistungen wurden von den Mädchen und Jungen des Stadtkindergartens „Pusteblume“ keineswegs verlangt, als sie am Sonnabendnachmittag in ihrem als „Rappelkiste“ bezeichneten Bewegungsraum durch einen Parcours aus hochwertigem Holzspielzeug turnten. Obwohl sie dabei von der ehemaligen Olympionikin und Weltrekordhalterin im Diskuswerfen, Liesel Westermann-Krieg, beobachtet wurden, stand ausschließlich der Spaß an der Bewegung im Vordergrund. Die Silbermedaillen-Gewinnerin der Olympischen Spiele von 1968 in Mexico-City ist heute Referentin im Kultusministerium in Hannover und dort zuständig für Sport- und Gesundheitserziehung in Schulen und Kindertagesstätten. In dieser Funktion war Westermann-Krieg am Sonnabend Gast beim Sommerfest der „Pusteblume“, in dem sie Eltern das Projekt „Bewegter Kindergarten“ vorstellte, das im Kultusministerium entwickelt wurde.

„Unser Ziel ist es, Kindern Anregungen zur eigenen Gestaltung ihres Bewegungsapparates zu geben“, sagte Westermann-Krieg, die von Bürgermeister Dr. Kian Shahidi begrüßt worden war. Vielen Kindern fehle es an genügend Bewegungserfahrungen, bedauerte die einstige Leistungssportlerin. Das Konzept zum „Bewegten Kindergarten“ stützt sich auf die Grundsätze der Bewegungspädagogin Elfriede Hengstenberg (1892 bis 1992), der es wichtig war, dass Kinder selbstständig ihre Bewegungsfähigkeiten entdecken und ausbauen. So wurden Holzelemente entwickelt, die zu fantasievollen Baulandschaften kombiniert werden können.

„Ein halbes Jahr lang haben wir das Hengstenberg-Material gegen eine Gebühr vom Land ausgeliehen und mit den Kindern ausprobiert“, berichtete Kindergartenleiterin Bärbel Tabke-El Haddad. Zwei Erzieherinnen seien daran fortgebildet worden. Das Konzept habe letztlich so überzeugt, dass sich die Stadt entschloss, Hengstenberg-Material im Wert von 1800 Euro anzuschaffen. Als Anerkennung dafür, dass sich der Stadtkindergarten bislang als einziger im Landkreis Oldenburg am Projekt beteiligte, hatte Detlev Hesse, Geschäftsstellenleiter der DAK in Wildeshausen, einen Scheck von 300 Euro überreicht. Auch landesweit wird das Projekt von der DAK unterstützt, wie Jens Juncker, Pressesprecher der DAK in Hannover herausstellte, der ebenfalls eigens zum Sommerfest gekommen war.