WILDESHAUSEN - Sie behalten den ganzen Abend lang den Überblick, und das ist gar nicht einfach für Jeannette Luft und Leo Mosler. Sie spielen jeder eine Rolle als Wissenschaftler in einem Versuchslabor und zudem hauchen sie jeweils vier Puppen Leben ein. Dass das Duo per Fernbedienung auch noch Effekte und Musik steuert, ahnen die rund 90 Gäste des Kulturkreises beim Auftritt des Figurentheaters Theatriums Bremen am Sonnabend im Forum des Gymnasiums nicht. Da saß kein Techniker hinterm Vorgang des Stücks „Das Glück ist ja schließlich kein Dauerwurst...“, wie wohl mancher angesichts der vielen Licht- und Toneffekte vermutet hatte.
Das Faszinierende an der fast zweistündigen Glücksforschung sind die Puppen. Sechs „Probanden“ haben die Wissenschaftler eingeladen, um ihnen das Geheimnis des Glücks zu entlocken. Unterschiedlicher könnten sie nicht sein: Die DSDS-Kandidatin trifft auf die in Indien „erleuchtete“ Frau, der Böblinger Schuloberinspekteur auf den Berliner Hartz-IV-Empfänger, der geldfixierte Manager auf den klassisch-gebildeten Philosophen. Wie Luft/Mosler es verstehen, jede Figur, nur über ihren rechten Arm gestülpt, mit einem eigenen, treffenden Sprachstil zu versehen, hat Klasse und macht den Reiz des Abends aus.
Die Puppenspieler treten konsequent zurück und erwecken stattdessen die Figuren gekonnt zu Leben. Aus einer Art Schaumstoff, mit einer Gummimilch überzogen, bestünden die Gesichter, verriet Jeannette Luft. In den besten Momenten des Stücks, durch Licht geschickt in Szene gesetzt, meint der Zuschauer reale Gestalten vor sich zu haben. Zwischendurch schalten sich in Episoden gar noch die Puppen des Hausmeisters und Kassandra ins Geschehen ein.
So sehr die Wissenschaftler sich mühen, ihre Testpersonen Klassiker zitieren oder Stammtisch-Lebensweisheiten zum Besten geben: Das Geheimnis des Glücks bleibt natürlich ungelüftet. Aber eine Menge nachdenkenswerter Zitate und Dialoge gab es allemal, besonders im zweiten, dem kurzweiligeren Teil des Abends. Zum Abschied flogen gar Glückskekse ins Publikum. Ein kleines Glück für den Heimweg, eines der Tütchen zu fangen ....
