WILDESHAUSEN - An der Ahlhorner Straße war eine Verpflegungsstation. In Beuteln werden Bananenbrei und Getränke gereicht.
Von Anja Biewald
und Stefan Idel
WILDESHAUSEN - Völlig entspannt saß gestern Nachmittag Betreuer Alexander Unruh in einem Klappstuhl an der Ahlhorner Straße: Die Hosenbeine hochgekrempelt, die Nase Richtung Sonne gerichtet. Als aber die ersten Polizeifahrzeuge vorbei jagen, wird klar: Jetzt kommen sie dirket aus Ahlhorn – die Rennfahrer der Niedersachsen-Radrundfahrt. Die erste Etappe wird in diesem Jahr mitten durch Wildeshausen geführt. Raus aus dem Klappstuhl, und rasch die fertig gepackten Verpflegungsbeutel für die Fahrer geholt.Entlang der Straße herrscht Hektik: Autos parken dicht hintereinander, die Helfer der Teams ziehen sich schnell ihre Trikots über, damit sie von den Radfahrern erkannt werden. Auf der anderen Straßenseite sitzt der zehnjährige Andre Hübner mit seiner Mutter Iris. Andre ist eigentlich Fußballfan und fiebert für den FC Bayern: „Aber ich wollte mir das hier heute einfach mal anschauen.“
Zuerst erreicht die Ausreißergruppe die Verpflegungsstation. Alexander Unruh steht jetzt mitten auf der Straße und macht den Arm ganz lang – unter anderem, um Björn Papstein (Bremen) den Verpflegungsbeutel entgegen zu strecken. Waffeln mit Bananenbrei, Müsli-Riegel und Energy-Getränke sind in den kleinen Beuteln verpackt. Unruh freut sich darüber, dass Papstein in der Ausreißergruppe fährt: „Die Niedersachsen-Rundfahrt ist für kleinere Teams eine tolle Gelegenheit zu sehen, wo man selbst leistungsmäßig steht.“
Kaum ist diese erste Gruppe vorbei, nähert sich das Hauptfeld. Jetzt ist es schwer, die eigenen Fahrer in der Masse zu entdecken. Zwei Beutel werden Alexander Unruh noch aus der Hand gerissen, bevor die Radrennfahrer innerhalb weniger Sekunden vorbei sind.
Auch bei der Durchfahrt durch die Innenstadt geht alles schneller als erwartet. „Das waren ja mehr Begleitfahrzeuge als Räder“, meint Franz Hoffmann, der an der Kaiserstraße wartet. Gegenüber im VHS-Gebäude hat extra ein Computerkursus seine Arbeit unterbrochen, um den Tross in Richtung Harpstedt mit Spitzenfahrern wie Erik Zabel zu sehen. Und Claus Janßen, der selbst Rennrad fährt, war eigens aus Wilhelmshaven gekommen, um die Ortsdurchfahrt in Wildeshauser zu beobachten.
Derweil hat sich Unruh längst seinen Klappstuhl geschnappt und ist auf dem Weg nach Bremen. Schließlich will er an der Ziellinie stehen, wenn seine Fahrer eintreffen. Und dann gilt es für den Physiotherapeuten, die nächste Etappe mit neuen „Fresspaketen“ vorzubereiten.
