WILDESHAUSEN - Die Wildeshauser Schützengilde lebt ihre traditionellen Werte. Oberst Heinrich Nuxoll kündigt seinen Abschied an.
Von Stefan Idel
WILDESHAUSEN - Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring hat es geschafft: „Sie werden ins Buch der Geschichte eingehen“, rief Heinrich Nuxoll, Oberst der Wildeshauser Schützengilde, gestern Abend dem Ehrengast des Schaffermahls entgegen. Der CDU-Politiker sei der erste Festredner des Schaffermahls, der nicht erschienen war. Und nicht jeder Minister hätte das Privileg, zweimal zu diesem gesellschaftlichen Ereignis eingeladen zu werden, sagte Nuxoll, für den es das letzte Schaffermahl als Oberst war. Möllring, der im vergangenen Jahr Gilde und Stadt versetzt hatte, dankte in seiner Festrede launisch: „Ich hätte nicht gedacht, dass man durch Nichtstun gleich in die Geschichte eingeht.“Im bis auf den letzten Platz besetzten historischen Rathaussaal frönten erneut mehr als 125 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dem schmackhaften Mahl. Schaffer Frank Görke, der abgehende Schaffer Jörg Kramer sowie die Fähnriche servierten Heringsvarianten mit herzhaften Bratkartoffeln. Nach altem Brauch rauchten die Gäste ihre Tonpfeifen und tauschten manchen Gedanken aus. Bürgermeister und Gildegeneral Franz Duin berichtete zuvor, dass ihn ein Alptraum gequält habe: Erneut rede er beim Schaffermahl – und der Minister spiele beim „Verdi“-Konzert.
Es kam bekanntlich anders. Neben Möllring konnte Duin unter anderem die Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Bley (CDU), Renate Geuter (SPD) und Christian Dürr (FDP), Landrat Frank Eger sowie den Oldenburger Polizei-Vizepräsidenten Dieter Buskohl begrüßen. Und im Gegensatz zum Vorjahr saß diesmal der amtierende Gildekönig, Bernd Schröder, am Ehrentisch. Auch für einen anderen Gast war es ein Glückstag: Manfred Heinrichs feierte gestern seinen 59. Geburtstag.
Mit einer Rede voller Spitzen erfreute Ehrengast Möllring dann sein Publikum. So sah er viele Parallelen zwischen Gilde und Finanzamt: Beide verlangten Beiträge, aber beim Finanzamt sei die Mitgliedschaft nicht freiwillig. Und keinesfalls könne es sich der Staat erlauben, dass die Frauen keine Steuern zahlten. Schließlich appellierte der Finanzminister, mehr Bier zu trinken: Denn die Biersteuer komme dem Land zugute.
