WILDESHAUSEN - „Wildeshausen ist ein wunderbares Gebirge – aus der Sicht von Tauben.“ Auch dank guter Ernährungsbedingungen würden sich die Tauben im innerstädtischen Bereich stark vermehren, erläuterte Biologe Volker Moritz am Donnerstagabend den Mitgliedern des Bau- und Umweltausschusses. Um die Populationen einzudämmen, setzt er jedoch eher auf „sanfte Maßnahmen“.

Eine Bejagung der so genannten Stadttaube sei nur in Ausnahmefällen möglich. Die Prognose des Oldenburger Biologen: „Damit werden Sie nichts erreichen.“ Im Gegenteil: Durch die Verjüngung würde die Zahl eher zunehmen. Extrem teuer sei auch das Anbringen von Draht, Gitter oder Blechen an Gebäuden. Moritz riet, nach dem „Augsburger Modell“ Taubenschläge an den Brennpunkten aufzustellen. Dort könnte eine Art Geburtenkontrolle durchgeführt werden: Befruchtete Eier könnten gegen Attrappen – etwa 200 bis 300 pro Jahr – ausgetauscht werden. Wenn Ehrenamtliche eingesetzt werden, lägen die Kosten pro Taubenschlag bei 3000 Euro. Ein weiterer Vorteil: Der Taubenschlag steht im öffentlichen Fokus. „Die Bürger sehen, dass etwas passiert.“

Moritz wies darauf hin, dass große Taubenpopulationen sich in der Regel „selbst steuern“ – durch Regulative wie Beutegreifer oder artspezifische Krankheiten. Über die Größe des Taubenbestands in Wildeshausen lagen dem Experten keine verlässlichen Zahlen vor. Von „übermäßigen Beständen“ im Bereich der Alexanderkirche und des Marktplatzes sprach dagegen Rainer Kolloge (UWG). „Ich habe dass Gefühl, die Population hat sich in den letzten Jahren massiv vermehrt. Er regte an, das Problem über das Futter zu lösen: „Was ist mit einer Art Pille für Tauben?“

Dies lehnte Moritz ab, weil auch andere Tiere das Futter fressen könnten. Sinnvoller wäre, einen Falkner um Hilfe zu bitten. Die Idee griff Ulrich Kramer (CDU) dankend auf: „Warum starten wir an der Alexanderkirche nicht ein Projekt mit Wanderfalken?“

Traute Sandkuhl (Grüne) und Uwe Dekker (CDU) bezweifelten dagegen, dass sich die Zahl der Tauben massiv vermehrt habe und warnten vor „wildem Aktionismus“. Dekker regte einen Aufruf an, wonach die Bürger „Brennpunkte“ benennen sollen. Auf der Internetseite der Stadt könne ein „Tauben-Kummerkasten“ eingerichtet werden. Ausschussvorsitzender Hartmut Frerichs (SPD) regte an, das Thema nochmals in den Fraktionen zu beraten. Beide Punkte finden sich in der Beschlussempfehlung wieder, die bei einer Gegenstimme verabschiedet wurde. Allein Hergen Stolle (FDP) meinte, es handele sich bei den Tauben um „ein zu vernachlässigendes Partikularthema“.

Einstimmig, bei drei Enthaltungen, gab der Ausschuss außerdem grünes Licht für die Planung zur Erweiterung und Aufstockung der Aula der Realschule Wldeshausen.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent