Wildeshausen - Der Karton fasst ungefähr drei Liter und ist gefüllt mit unzähligen Zigarettenstummeln. Am Dienstag empfing Thomas Eilers, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, Aktivisten der „Fridays for Future“-Bewegung im Wildeshauser Stadthaus. Diese überreichten Eilers den am vergangenen Karfreitag auf dem Marktplatz gesammelten Müll in ebenjenem Karton.

„Wir sammeln regelmäßig am Rande der Freitagsproteste den Müll ein, der vor dem Stadthaus liegt“, erklärte Angelika Salzburg-Reige. „Den Müll haben wir in weniger als einer Stunde zusammen aufgelesen – ungefähr die gleiche Menge, wie wir sie dort wöchentlich einsammeln.“ An den Sammlungen würden sich regelmäßig 15 bis 20 Demonstranten beteiligen.

Die Idee dazu sei in der Diskussion während der Proteste entstanden. „Jede weggeworfene Zigarette verunreinigt bis zu 60 Liter Grundwasser“, mahnte Salzburg-Reige. Diese Zahl gibt der österreichische Naturschutzbund an. Grundwasser sei ein rares Gut, das es zu schützen gelte, sagte die Aktivistin.

Die 61-Jährige hatte sich mit dem Wildeshauser Schüler Patrick Graebel im Stadthaus eingefunden, um den Karton zu übergeben. So suchten sie den Kontakt zur Stadtverwaltung.

Als gutes Miteinander empfindet Eilers diesen Austausch. Bei der Übergabe diskutierten die Anwesenden über aktuelle Probleme vor dem Hintergrund des Klimawandels.

Die „Fridays for Future“-Proteste sieht Salzburg-Reige als Möglichkeit, um mit Bürgern in Kontakt zu treten. Auch Eilers sieht Bedarf zum Dialog: „Wir müssen das Bewusstsein der Bevölkerung für die Problematik schärfen.“ Er lobte den Einsatz der Klimaschützer und sieht von ihnen auch die Interessen der Kreisstadt vertreten: „Als Stadt versuchen wir, im Kleinen und da, wo es möglich ist, etwas für den Naturschutz zu tun.“ Beispielhaft genannt wurden das integrierte Klimaschutzkonzept, das gemeinsam mit dem Landkreis Oldenburg durchgeführt wird, die Kampagnen „Clever heizen“, die jüngst errichtete „Bike & Ride“-Anlage am Stellmacherplatz oder das Repair Café.

Es gehe aber nicht nur um solche punktuellen Maßnahmen, die von offizieller Stelle durchgeführt werden können. „Die Frage ist: Wie lebt jeder einzelne? Wie man an der heutigen symbolischen Geste der Umweltschützer sieht, geht es auch darum, sein alltägliches Handeln zu hinterfragen“, forderte Eilers.

Salzburg-Reige betonte zudem die Dringlichkeit des Anliegens, das die Demonstranten auf die Straße treibt. Auch der 15-jährige Patrick Graebel sieht den akuten Handlungsbedarf und verwies auf die Erderwärmung und das Schmelzen des Eises in den Polarmeeren im Zuge des Klimawandels: „Ich will nicht in einem überschwemmten Wildeshausen leben.“