Wilhelmshaven - „Nun habe ich wohl lange genug diese Brille geputzt.“ Mit diesen Worten begann Dora Heldt die Lesung ihres aktuellen Buches „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!“, in der sie eine geschickte Mischung aus ausgesuchten Stellen und überbrückenden Zusammenfassungen präsentierte. Einige Stellen ließ sie auch gezielt aus; sie seien zu hart, zum Beispiel die Krötenwanderung, die sie immer dann nicht lesen würde, wenn jemand grün gekleidet in der ersten Reihe säße.

Dora Heldt begeistert viele Menschen und so ist die Buchhandlung Prien als Veranstalter einer Lesung mit ihr vor zwei Jahren aus allen Nähten geplatzt. Mittwochabend war dann die Lesung zum ersten Mal im „Kreuzelwerk“ und zog knapp 200 Zuhörer an. Darunter befanden sich auch zwei Dutzend Herren. Die Autorin Heldt fand das bemerkenswert und versprach ihnen, dass sie weder aufstehen, noch ihren Namen nennen müssten. Allerdings sei sonst höchstens mal ihr Vater oder Bruder dabei, manchmal ein Buchhändler, der eben erscheinen müsste.

Ein Herr Bugiel aus Himmelreich hatte sich die ersten Karten gesichert; seine Frau sei richtiger Fan und so hatte er ihr witzelnd mitgeteilt, sie müssten bei der Lesung die Begrüßungsrede halten und Blumen überreichen. Ehefrau Bugiel lese ihrem Gatten oft aus den Büchern vor und so findet er, wie auch einige der anderen anwesenden Herren, es schön, die „Frau Heldt“ mal live zu sehen. „Man macht sich ja doch Vorstellungen, wie die so aussieht und was für eine Stimme sie hat,“ so Bugiel. Das Schöne an ihren Büchern sei, dass man immer Parallelen zum eigenen Leben fände und sie so wunderbar lustig seien. Dora Heldt gelinge es gut, sich in Männer hineinzuversetzen; damit und mit ihren gezielten Witzsituationen wäre es für sie leicht, die Herzen der Leserinnen zu erobern, meint Rüdiger Rose, Autor aus Wilhelmshaven.

Tatsächlich lachen fast alle Damen auf dieser Lesung, die meisten Herren auch, einige verhalten, einer lauter als alle anderen. Als Frau Heldt an einer Stelle erwähnt, dass alte Leute immer beigefarbene Jacken tragen, lachen gleich mehrere Damen auf und eine sagt gar „typisch alte Leute“, während sie ihre eigene beigefarbene Windjacke auf ihrem Schoß anlächelt. Und als Dora Heldt von Tante Fienchen liest, lacht eine Zuhörerin auf „Die ist ja wie meine Tante Gunda!“

Dora Heldt beantwortet in ihrer erfrischend offenen Art alle Fragen, die das Publikum ihr abschließend stellt, ausführlich. Die treffend ausgesuchte Umgangssprache käme einfach daher, dass sie selber auch gar nicht anders sprechen könne. Schwierig sei nur, wenn sie dann abends unter Leute ginge; dann müsse sie wirklich aufpassen mit der Gesprächsführung, um nicht so zu sprechen, wie der Charakter im Buch, dessen Leben sie tags während des Schreibens sozusagen leben durfte.