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Vorstand sucht dringend Verstärkung Aldenburger Bürgerverein in Wilhelmshaven droht das Aus

Der singende und spielende DJ Addi Menßen unterhielt die Besucher des Maifestes am „Ei“.

Der singende und spielende DJ Addi Menßen unterhielt die Besucher des Maifestes am „Ei“.

Björn Lübbe

Wilhelmshaven - Der geschmückte Maibaum steht wie immer am „Ei“ an der Ecke Kniphauser und Accumer Straße – mitten im Herzen Aldenburgs. Zur Maifeier sind ringsherum Tische und Bänke aufgebaut – und die Gäste, nicht nur aus der Nachbarschaft, kommen in Scharen. Seit 30 Jahren schon bittet der Aldenburger Bürgerverein zur Maifeier und zum Frühschoppen. Doch in diesem Jahr drückt Kassenwart Uwe Rocker den Gästen betrübt Flugblätter mit einem Hilferuf in die Hand. „War die 30. Maifeier die letzte?“, steht groß auf dem Zettel.

Der 76-Jährige will es allen noch einmal schriftlich geben, was schon lange angekündigt ist: Er wird zusammen mit drei weiteren Mitgliedern seine Vorstandsarbeit beenden. Darunter auch der Vorsitzende Werner Engel, der Ende Mai 77 Jahre alt wird. Vier von fünf Vorstandsmitgliedern stehen somit ab 2025 nicht mehr zur Verfügung. „Es ist Zeit für einen Neuanfang oder wir müssen den Traditionsverein im nächsten Jahr auflösen“, sagt Rocker, der seit 43 Jahren im Vorstand aktiv ist und schon länger kürzertreten will. Bislang hat der Aldenburger aber immer wieder davon abgesehen - weil ihm der Verein am Herzen liegt. „Inzwischen sind wir im Vorstand aber alle über 70“, sagt er. Allein aus diesem Grund sei es an der Zeit, endgültig die Reißleine zu ziehen.

Nachbarschaftspflege und Events stehen auf dem Spiel

Zurzeit hat der Bürgerverein 142 Mitglieder, mit Partnern 229. Allein der zweite Vorsitzende, Dietmar Bröckehoff, will im Vorstand noch die Stellung halten und könnte sich vorstellen, den Verein als Vorsitzender weiterzuführen. „Aber dafür benötige ich Unterstützung“, sagt er. Mit seinen 56 Jahren ist Bröckehoff längst der Jüngste an der Vereinsspitze. Das Flugblatt von Rocker habe seine Wirkung zwar nicht verfehlt, bislang gebe es aber nur einige Interessensbekundungen. „Viele realisieren erst jetzt, wie ernst die Lage ist und was auf dem Spiel steht“, sagt Rocker. Radtouren, Familienausflüge, Kohlfahrt, Kaffeeklatsch, Besuche bei Jubilaren, Laternenumzug durch Aldenburg mit Platzkonzert und Grillen am Familienzentrum West, mit dem der Verein seit einigen Jahren gut zusammenarbeitet – das alles würde es ebenso wie die Maifeier nicht mehr geben.

Dietmar Bröckehoff und Uwe Rocker kämpfen für den Erhalt des Aldenburger Bürgervereins. Dafür benötigt der Vorstand dringend Verstärkung.

Dietmar Bröckehoff und Uwe Rocker kämpfen für den Erhalt des Aldenburger Bürgervereins. Dafür benötigt der Vorstand dringend Verstärkung.

Vor allem würde mit dem Verein ein Stück Stadtgeschichte sterben: 22 Bürger der „Kolonie Aldenburg“ gründeten den Bürgerverein am 7. Januar 1911, dafür kamen sie damals im Gasthof Weltfrieden zusammen. „Der Verein macht es sich zur Aufgabe, die Interessen der Aldenburger selbständig zu vertreten und die Geselligkeit zu heben“, so stand es in der Satzung. Wer eintreten wollte, zahlte Mitgliedsbeitrag: 10 Pfennig pro Monat.

Sprachrohr bei Problemen im Stadtteil

Bei aller Geselligkeit und dem nachbarschaftlichen Miteinander ging es immer wieder um ernste Belange und Interessen der Aldenburger. Davon zeugen erste Sitzungsprotokolle. So machte sich der Verein für die Einrichtung eines Ortszustellbezirks der Post stark, besiegelte die Übernahme der Straßen aus dem Privatbesitz von Ibo Koch und kämpfte für den Anschluss an die Stromversorgung und das Aufstellen von drei Straßenlaternen. „Der Verein war auch immer das Sprachrohr der Aldenburger gegenüber der Stadt“, sagt Rocker. Bis heute nimmt sich der Bürgerverein stadtteilbezogener Probleme an, wenn auch längst nicht so intensiv wie in den Anfangsjahren. So entstand auf Initiative des Bürgervereins der inzwischen eingestellte Wochenmarkt im Wiesenhof. Und bis zuletzt setzte sich der Bürgerverein für den Ausbau der Friedenstraße und Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung auf der Schaarreihe und den angrenzenden Straßen ein – „wenn auch nicht mit dem gewünschten Erfolg“, räumt Rocker ein.

Und was kommt auf Ehrenamtliche im Vorstand zu. „Das ist alles kein Problem und gut zu schaffen“, versichert Bröckehoff, der sich durch einen jüngeren Vorstand auch ganz neue Perspektiven erhofft. Und eine 31. Maifeier im kommenden Jahr.


Mehr Informationen zum Verein gibt es im Internet. www.aldenburger-bürgerverein.de

Stephan Giesers
Stephan Giesers Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung
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