Wilhelmshaven - Der Einsatz von Chlor als Biozid an Bord von Deutschlands erstem LNG-Terminal vor Wilhelmshaven wird erst einmal weitergehen. Das berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) unter Berufung auf ein bislang unveröffentlichtes Konzept von Betreiber Uniper, das die Zeitung eingesehen hat. Demnach soll das Rohrsystem auf der „Höegh Esperanza“, auf der Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas/LNG) regasifiziert wird, weiter mit Chlor vor schädlichem Bewuchs bewahrt werden. Das Biozid wird aus dem Seewasser gewonnen und anschließend als sogenanntes Prozesswasser zurück in die Jade geleitet.

Das Verfahren war von den zuständigen Behörden genehmigt worden. Ein Sprecher des Niedersächsischen Umweltministeriums hatte gegenüber dieser Zeitung betont, dass die bisherigen Ergebnisse der Einleitungsüberwachung transparent veröffentlicht worden seien − und die Einleitung von Chlor demnach deutlich geringer als genehmigt ausgefallen sei. Uniper musste allerdings ein Minimierungskonzept vorlegen. Pünktlich zum 31. August hatte der Betreiber des LNG-Terminals sein gefordertes Konzept beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) eingereicht. Der über 100 Seiten lange Bericht untersucht und bewertet detailliert biologische, chemische, mechanische und andere Antifouling-Verfahren zur Verhinderung eines Bewuchses mit Muscheln, Seepocken und anderen im Seewassersystem der schwimmenden Speicher- und Regasifizierungseinheit (FSRU).

Laut NOZ stellt der Konzern in diesem Bericht fest, dass es derzeit keine Alternative gebe, die sinnvoll auf der „Höegh Esperanza“ eingesetzt werden könne. Allerdings solle ab 2024 eine Umstellung des Biozid-Einsatzes auf eine sogenannte Stoß-Chlorierung getestet werden. Dabei würde nicht mehr dauerhaft Chlor eingesetzt werden, sondern, wenn möglich, nur dann, wenn Bewuchs festgestellt wird. Dazu hatte, wie berichtet, die Uniper-Tochter LNG-Terminal Wilhelmshaven (LTeW) die Einrichtung eines Biofouling-Monitoring-Systems auf der „Höegh Esperanza“ beauftragt. Mit der Stoß-Chlorierung könnte die Menge des eingesetzten Chlors um bis zu 50 Prozent gesenkt werden, berichtet die NOZ. Letztlich entscheidet das NLWKN nach Auswertung des Konzeptes über die künftig anzuwendende Antifouling-Methode an Bord der „Höegh Esperanza“.

Michael Halama
Michael Halama Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung