• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wilhelmshaven

Auf Streifenfahrt durch die raue See

26.09.2007

Die „blauen“ Zöllner suchen auf See nach Schmugglern und Umweltsündern. Zwei Zollboote sind im Fluthafen stationiert.

VON STEPHAN GIESERS

Wilhelmshaven Am Fluthafen graut der Morgen. Schichtbeginn für die vier Beamten an Bord des Zollbootes „Bad Zwischenahn“. Für 12 Stunden gehen Schiffsführer Michael Dreisewald (44), Nautiker Uwe Weber (52) und die Maschinisten Wolfgang Geball (51) und Peter Limmer (53) an ihre Grenzen. Geografisch gesehen. Die liegen draußen auf hoher See.

Es regnet. Es ist kalt. An Bord ist es eng. Geschlafen wird in der Sitzecke und gekocht in der Pantryküche nebenan. Es ist eines von zwei Booten des Zollkommissariats Emden-See, die in Wilhelmshaven stationiert sind und rund um die Uhr küstennah Streife fahren. 15 Zöllner sind in der Zollschiffstation Wilhelmshaven beschäftigt. Sie kontrollieren das Gebiet von der Jade bis nach Juist.

Michael Dreisewald ist einer von ihnen. Er steht an der Kaimauer und raucht noch schnell eine Zigarette. Der 44-Jährige hat einen Dreitagebart und kurzgeschorene Haare. Er ist Umweltschützer, Lebensretter, Detektiv – und ein waschechter Seefahrer. In seinem linken Ohr trägt der Familienvater einen Ring. „Alte Seefahrertradition“, sagt er. Früher sollte mit dem Gold im Ohr die Beerdigung verunglückter Seeleute bezahlt werden.

Typische Beamte sehen anders aus. Auf der „Bad Zwischenahn“ gibt es keine Krawatten, keinen Schreibtisch, keine Stempelkissen. Seezeichen sind wichtiger als Aktenzeichen.

„Maschine ist klar“, ruft Wolfgang Geball und greift zur Kaffeetasse. Die Ruhe täuscht. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Michael Dreisewald gibt das Kommando zum Ablegen. Wenig später treibt Dreisewald das 19 Meter lange Boot durch die Wellen und nimmt Kurs auf die stürmische Jade. An diesem Morgen ist das Meer nur etwas für Hartgesottene. Das aber sind die Besatzungsmitglieder der „Bad Zwischenahn“ – Zollbeamte mit Patent der Seefahrtschule und ausgebildete Schiffstechniker.

„Geschmuggelt wird auch bei schlechtem Wetter“, sagt Dreisewald und blickt auf die unruhige See. Dann entscheidet er doch, die Streifenfahrt abzubrechen und stattdessen Posten im Marinestützpunkt zu beziehen.

Angeschweißte Metallkästen mit Schmuggelware, Verstecke in Kajüten und Maschinenräumen – die Zöllner wissen, wo sie suchen müssen. „In Frachtschiffen gibt es ungenutzte Hohlräume, in denen könnte man Tennis spielen“, sagt Dreisewald. Die „Blauen“ sind darauf spezialisiert, die ausgeklügelten Verstecke zu entdecken. Große Funde aber bleiben zumeist aus. Es sind vor allem Freizeitskipper, die kontrolliert werden.

Der Wasserzoll macht aber längst nicht mehr nur Jagd auf unverzollte Zigaretten. Er sorgt für Sicherheit im Schiffsverkehr und kontrolliert den Fischfang. So ist es verboten, innerhalb der Drei-Meilen-Zone zu fischen. Die Größe der Maschen von Fischernetzen sind penibel vorgeschrieben.

Außerdem suchen die Zöllner immer häufiger nach Umweltsündern, die ihre Lagerräume auf See gereinigt oder ihren Müll im Meer entsorgt haben.

Weitere Nachrichten:

Seefahrtschule

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.