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NWZonline.de Region Wilhelmshaven

Auf unrühmlichen Spuren

16.06.2010

WILHELMSHAVEN Stätten des Unrechts, des Terrors und der Unmenschlichkeit, aber auch des Widerstandes liegen auf der Route einer antifaschistischen Stadtrundfahrt durch Wilhelmshaven. „Damit sich niemand Illusionen macht, wozu Faschismus fähig ist“, hat das Netzwerk gegen Rechts die Rundfahrt ausgearbeitet, sagte Conrad von Pentz, der „Reiseleiter“.

Erste Station der Route ist die alte Westwerft an der Emsstraße. In diesem Teil der Kriegsmarinewerft arbeiteten während des Zweiten Weltkriegs 10 000 Menschen – 1000 davon waren Häftlinge aus dem Konzentrationslager am Alten Banter Weg, die dort unter brutalen Bedingungen zur Arbeit gezwungen wurden.

Aneinandergekettet und häufig verletzt mussten sie am Abend den Weg zurück ins KZ antreten. „Ich habe die armen Teufel doch jeden Tag an unserem Lager vorbeikommen sehen“, erinnert sich ein Zeitzeuge 1984 in der „Wilhelmshavener Zeitung“. Die Route der Stadtrundfahrt folgt dem Weg der Häftlinge bis zum ehemaligen KZ.

Nur noch Grundmauern erinnern heute noch an das Lager, das von September 1944 bis April 1945 dort als Außenstelle des KZs Neuengamme existierte. „Erst in den 80er-Jahren wurde offiziell anerkannt, dass es hier überhaupt ein KZ gab“, sagte von Pentz. Die Gebäude wurden abgerissen. Dort wo 234 Menschen ermordet worden waren, blieb nur eine normale Wiese. „Ich habe hier als Kind gespielt, da waren diese Mauern nicht da“, erzählte Manfred Stein. Die Grundmauern seien erst später freigelegt worden, erinnert sich der Rentner.

Vorbei am Paul-Hug-Heim, dessen Namensgeber als Sozialdemokrat schwer unter den Nationalsozialisten zu leiden hatte, führt die Rundfahrt zum Bunker am ehemaligen Westbahnhof. Es ist einer von ehemals 995 Luftschutzbunkern in der Stadt. Keine andere deutsche Stadt hatte im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl so viele Bunker wie Wilhelmshaven. Das erkläre auch, warum – obwohl 60 Prozent der Stadt durch Bombenangriffe zerstört wurden – „nur“ 550 Menschen dabei ums Leben kamen, erklärte von Pentz.

Vorbei am ehemaligen Gewerkschaftshaus in der westlichen Marktstraße, das im Mai 1933 von SA und SS besetzt wurde und vorbei am Krökel-Platz führt die Route zum Synagogenplatz, wo seit 1980 an die faschistischen Verbrechen an den Juden erinnert wird.

Vom so genannten Gelbkreuzlager, einem Arbeitserziehungslager beim Hannoverkai, dem Lager „Schwarzer Weg“, einem Lager für etwa 1000 niederländische politische Häftlinge, und dem Standortschießplatz an der Freiligrathstraße, wo noch bis kurz vor Kriegsende Todesurteile vollstreckt wurden, ist heute nichts mehr zu sehen. Gedenksteine und -tafeln erinnern jedoch an die unrühmliche Vergangenheit dieser Orte.

Die antifaschistische Stadtrundfahrt soll weiter ausgebaut und wiederholt werden.

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