Wilhelmshaven - Während um sie herum noch fleißig sortiert, geplant und aufgebaut wird, haben sich fünf Giganten bereits in der Kunsthalle eingenistet. Fünf überlebensgroße Gartenvögel sind schon beim Eintritt in das Ausstellungshaus am Adalbertplatz von weitem zu sehen und nehmen viel Platz in der oberen Sektion des Hauptraumes ein. Die Skulpturen sind Teil der neuen Ausstellung „Gezwitscher – Kunst aus der Vogelperspektive“, die am Samstag, 8. Juli in der Wilhelmshavener Kunsthalle eröffnet wird. Was in Farbigkeit und Gestalt auf den ersten Blick wie altbekannte gefiederte Gartenbewohner wirkt, ist in Wahrheit die Arbeit des Künstlers Matthias Garff, der sein Atelier in Leipzig hat. Persönlich begleitete er den Aufbau der Figuren. Trotz ihrer enormen Größe lassen sie sich einfach transportieren. „Für den Transport können wir sie in mehrere Teile zerlegen. Und sie lassen sich gut mit zwei Personen bewegen“, sagt Garff. Dennoch: Weil ihre Größe entsprechend Platz einfordert, waren es die ersten Werke, die für die neue Ausstellung aufgebaut wurden. „Sie haben hier einen tollen Ort bekommen“, sagt der 37-Jährige.
„Ich verwende für meine Figuren ganz unterschiedliche Materialien. Inzwischen habe ich mir einen großen Fundus zusammengesammelt“, erzählt Garff. Das Rotkehlchen besteht unter anderem aus einer alten Auto-Dachbox, während in der Kohlmeise Bierkisten und die alte Matratze des Künstlers verborgen sind. Matthias Garff verbringt viel Zeit in der Natur und beobachtet die tierischen Bewohner seiner Wohnstadt Leipzig.
Die Ausstellung „Gezwitscher – Kunst auf der Vogelperspektive“ widmet sich der Vogelwelt – und auf wie viele unterschiedliche Arten sie von menschlichen Betrachtern wahrgenommen und wiedergegeben wird. Kunsthallen-Leiterin Petra Stegmann hat sie in enger Zusammenarbeit mit Dr. Pavlína Morganová von der Prager Akademie der Bildenden Künste konzipiert. Gezeigt werden Positionen von 22 Künstlern. Die vertretenen Arbeitsweisen umfassen Malerei, Grafik, Skulptur, Fotografie, Video, Musik und Performancekunst. Es geht um die Kommunikation zwischen Mensch und Tier, die Bedrohung von Vögeln durch den Menschen, den menschlichen Traum vom Fliegen und weitere Themen. Auch der Kunsthallen-Garten soll wieder in die Ausstellung eingebaut werden. Hier sind Aufnahmen längst ausgestorbener Vögel zu hören – die sich mit dem Gesang der Wilhelmshavener mischen werden. „Es ist ein Thema, das künstlerisch und poetisch viel hergibt“, sagt Petra Stegmann.
Umrahmt wird die Ausstellung von zahlreichen Veranstaltungen, die dieses Mal in enger Kooperation mit dem Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“ und dem Nabu organisiert wurden. So werden die künstlerischen Arbeiten mit dem wissenschaftlichen Hintergrund verknüpft – und in neuen Kontext gerückt.
