/GA
Hat die ehemalige Südzentrale noch eine Zukunft? Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude in Nachbarschaft der Kaiser-Wilhelm-Brücke steht seit Mitte der 90er Jahre leer, gammelt vor sich hin, ist inzwischen in einem „ruinösen Zustand“, so André Winter, obwohl die Bausubstanz im Kern noch gut erhalten sei.Winter gehört zu einem Kreis von Architekten, die das Denkmal erhalten und mit neuem Leben füllen wollen. Im Bauausschuss der Stadt trugen sie Argumente vor, die für den Erhalt der ehemaligen Energiezentrale der Stadt sprechen.
Die Südzentrale ist eines der wenigen wirklich geschichtsträchtigen Gebäude in Wilhelmshaven. 1908, ein Jahr nach der K. W.-Brücke, gebaut, gehört es zu den Industriebauten, die den Übergang zur Moderne dokumentieren. So wurde hier das damals neue Baumaterial Eisen reichlich verwendet. Das ehemals größte Kraftwerk in Deutschland versorgte Werft und Hafenanlagen mit Strom und erzählt damit Stadtgeschichte.
Ein Abbruch des Gebäudes würde nicht nur das Gesamtensemble mit der K.W.Brücke zerstören, sondern auch die Silhouette Wilhelmshavens deutlich verändern, befürchtet Winter, der mit seinen Mitstreiterinnen Corinna Janßen und Bettina Brosowsky dafür plädiert, das Gebäude zunächst für rund 700 000 Euro in „Dach und Fach“ zu sichern, um es dann mit einem Investitionsaufwand von weitren 300 000 Euro für eine zeitweise Nutzung – etwa als Lagerhalle für Container – herzurichten. „Für eine Million Euro kann ein Gebäudewert von vier Millionen Euro geschaffen werden.“
Betriebswirtschaftlich rechne sich eine Sanierung des Gebäudes nicht, räumte Winter ein. Die Nutzung für hafenwirtschaftliche Zwecke etwa, so sagte Klaus-Dieter Kottek, wäre unwirtschaftlich. Allerdings: Auch ein Abriss – die Genehmigung dafür wurde bereits ausgesprochen – ist nicht lohnend, auch weil das Gebäude derzeit als Lärmschutzwand zwischen Hafen und den Wohnhäusern in der Südstadt fungiert. Kottek: „Wir befinden uns in einer Hängepartie.“
Eigentümer der Südzentrale sind Immobilienhändler aus Ibbenbüren. Bauausschussvorsitzender Norbert Schmidt: „Spekulanten haben das Heft des Handels in der Hand.“ Sie fordern dem Vernehmen nach für Gebäude und Grundstück über zwei Millionen Euro. Ein Preis, den bislang niemand bereit war zu zahlen, obwohl das benachbarte Logistikunternehmen das Grundstück für die Erweiterung seiner Hallenkapazitäten am Hafen gut gebrauchen könnte.
Hier sehen Winter und seine Mitstreiter die Chance für den Erhalt der Südzentrale. Über die wirtschaftliche Ausnutzung des Gesamtgrundstücks müsste der Erhalt des technischen Denkmals finanzierbar sein – zumal mit Zuschüssen der Denkmalpflege, der EU und günstigen Abschreibungen zu rechnen sei.
Eine für weitere Millionen Euro – genaue Kostenermittlungen liegen nicht vor – sanierte Südzentrale könnte als Denkmal, aber auch als Veranstaltungs- und Ausstellungsort, vielleicht auch als Außenstandort des Marinemuseums genutzt werden. Eine Vision, mit der sich der Bauausschuss nicht im Detail befasste, zumal Wilhelmshaven auf keinen Fall das Geld habe, die Südzentrale zu kaufen. In Zugzwang kommt die Stadt möglicherweise dennoch. Ratsfrau Gerda Kümmel sagte, dass das unzureichend gesicherte Gebäude zu einem gefährlichen Abenteuerspielplatz geworden sei. „Hier werden Kinder von anderen Kindern genötigt, Mutproben zu absolvieren.“
