Wilhelmshaven - „Alle Schiffe sind unterwegs. Ich habe die Ein- und Auslaufzeiten von allen auf meinem Schreibtisch.“ Heike Gorath ist mehr als zufrieden, wenn sie auf die Vorbereitungen zum 21. Sailing-Cup schaut. Wenn am kommenden Samstag, 30. September, in Wilhelmshaven die älteste Regatta für Traditionssegler an der Nordsee gestartet wird, dürfen sich Besucher und Mitsegler auf ein attraktives Teilnehmerfeld freuen. Und die Regatta ist nur einer von vielen Programmpunkten, für die sich am gesamten Wochenende der Weg zum Bontekai mehr als lohnt.
Zeitangaben sind keine feste Größe
Drei Tage lang wird der Sailing-Cup das maritime Lebensgefühl, vom dem Wilhelmshaven grundsätzlich geprägt ist, besonders in den Mittelpunkt rücken. Von Freitag bis Sonntag, 29. September bis 1. Oktober, liefert die Veranstaltung am, auf und im Wasser ein ebenso volles wie abwechslungsreiches Programm. Größter Publikumsmagnet sind zweifelsohne die Traditionssegler, von denen dieses Mal 14 mit dabei sind. „Ich habe zwar schriftlich, wann welches Schiff bei uns anlegt, aber das heißt nichts. Dass sie kommen, ist klar, wann genau, da lass ich mich mal überraschen“, sagt Gorath lachend. Eine Überraschung habe es für sie bereits gegeben. „Am Donnerstag habe ich in Hamburg noch die ‘Artemis’ entdeckt. Die nimmt auch hier teil und ich war ganz froh, dass sie schon in Hamburg war. Dann ist die Anreise nicht mehr weit. Am Samstag habe ich sie dann schon hier am Bontekai gesehen“, erzählt sie lachend. „Die Segler sind nicht einfach nur Schiffe, sie sind die Rockstars der Meere.“
Besagte Rockstars haben durchweg niederländische Heimathäfen. Bereits zum 20. Mal wird die „Abel Tasman“ mitsegeln, sechsmal hat der Zweitmastschoner bereits gewonnen. Nur zwei Siege weniger hat die „Twister“ in ihrer Vita. Auch die „Stortemelk“, deren Crew 2022 Siegerpokal in Empfang nehmen durfte, setzt erneut die Segel. Am Samstagmorgen um 9.30 Uhr heißt es „Leinen los“. Nach der Schleuse versammeln sich die Segler dann in zwei Gruppen an einer Startlinie, um sich von der Regattaleitung ins Rennen schicken zu lassen. Für Spontanentschlossene gibt es noch ein paar Restplätze. Der Segler, der die Ziellinie am Ende als erster überfährt, hat deshalb aber noch lange nicht gewonnen. Viele Parameter, etwa Schiffsgröße oder Segelfläche, fließen in die Berechnung mit ein. Gewinner und Platzierte werden um 18.30 Uhr auf der Hafenbühne bekannt gegeben.
Tipps von der Projektleiterin
Aber die Segler fahren nicht nur Samstag, sondern auch bereits am Freitag hinaus auf die Jade. Bei „Boarding Next Generation“ setzen ab 10 Uhr Schüler, Auszubildende und Studierende die Segel. „Dieser Wettbewerb läuft super-gut“, sagt die Projektleiterin. „Wir hatten gut 1800 Interessenten und mussten daher leider fast der Hälfte absagen, weil alle Schiffe voll sind.“
Der Kajenmarkt lockt an allen drei Tagen mit maritimen Angeboten. „Wir haben dort auch ein Kinderzelt mit vielen Angeboten für die kleinen Besucher.“ Livemusik, zum Beispiel vom niederländischen Piratenkoor „De Stormvogels“, der Kinderrockband „Die Blindfische“ oder weiteren Bands, seien ebenso empfehlenswert, wie das Hafenschwimmen am Samstag oder die Papierboot-Regatta am Sonntag, betont die Projektleiterin. „Am Sonntag sollte man sich auch die Möglichkeit beim ‘Open Ship“ nicht entgehen lassen.“
Nicht nur ihr persönliches, sondern auch das für viele Besucher absolute Highlight sei am Samstagnachmittag um 17 Uhr die große Einlaufparade der Traditionssegler nach der Regatta.
Gorath selbst wird sie moderieren, hat sich aber mit Stefan Kruecken, dem Verlagsleiter von Ankerherz, einen Experten an die Seite geholt. „Er hat viele Bücher zu maritimen Themen geschrieben und wird schon am Freitagabend zusammen mit zwei Kapitänen für eine Lesung ins Pumpwerk kommen. Wenn sich jemand gut auskennt, dann ist es Stefan Kruecken.“
Nur einen kleinen Wermutstropfen muss Heike Gorath verkraften. „Leider kann ich selbst nicht mitsegeln.“ Aber dafür habe sie als Projektleiterin wie immer keine Zeit.
