Wilhelmshaven - Die Neuorganisation der Personalgewinnung steht vor einer großen Herausforderung: Rund 13 000 neue Zeitsoldaten braucht die Bundeswehr pro Jahr, dazu kommt der Bedarf an die freiwilligen Wehrdienstleistenden. Um auch zukünftig geeignetes Personal auswählen und einstellen zu können, müssten sich jährlich 60 000 Interessenten für eine militärische Laufbahn bewerben – etwa 10 Prozent eines infrage kommenden Jahrgangs.
Verteidigungs-Staatssekretär Thomas Kossendey (CDU) sprach bei der offiziellen Indienststellung des Karrierecenters am Mittwoch von einem „historischen Umbruch“: Erstmals würden quasi unter einem Dach Bewerber sowohl für militärische als auch für zivile Laufbahnen bei der Bundeswehr beraten und geprüft.
Geführt wird die neue Wilhelmshavener Dienststelle mit ihren über 160 Mitarbeitern (davon 25 Soldaten) von Sabine Upmann. Sie hat bislang das gerade aufgelöste Kreiswehrersatzamt Oldenburg geleitet. Der Schwerpunkt des Karrierecenters Wilhelmshaven liegt auch künftig auf der Eignungsfeststellung der Bewerber für die Laufbahnen der Mannschaften und Unteroffiziere bei der Marine. Kern ist denn auch das ehemalige Zentrum für Nachwuchsgewinnung Marine.
Neu unter dem Dach des Karrierecenters ist der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr Wilhelmshaven mit Außenstellen. „Das ist nicht nur das Sahnehäubchen zum Ende der Dienstzeit der Soldaten, sondern wesentlicher Teil unseres Angebots zur Qualifizierung an unsere Bewerber.“ Aus- und Weiterbildung sowie der spätere berufliche Wiedereinstieg seien letztlich mit entscheidend für die Akzeptanz der Bundeswehr als Arbeitgeber, so der Staatssekretär. Er appellierte an die Wirtschaft in der Region, in Sachen Personalgewinnung bereits frühzeitig die Zusammenarbeit mit dem Karrierecenter zu suchen.
Dazu kommen aus den bisherigen Kreiswehrersatzämtern Oldenburg und Meppen die Gewinnung und Betreuung von Reservisten.
Mit der Reform der Personalgewinnung reagiert die Bundeswehr auf den Wegfall der allgemeinen Wehrpflicht und den demografischen Wandel. „Wohl kein anderer Arbeitgeber bietet so ein Karrierepotenzial für fast jede Zielgruppe – und dazu eine so große berufliche Qualifizierungsvielfalt“, sagte Staatssekretär Kossendey.
