Wilhelmshaven - Langsam wächst Gras über den 11. Bezirk des Kleingärtnervereins Rüstringen. Und es wächst immer höher. Einen Rasenmäher haben etliche Parzellen schon lange nicht mehr gesehen. Viele der einst 27 Lauben stehen leer. Manche seit Jahren.
Der Wilhelmshavener Peter Bündgen-Stock hat hier seit 2008 seinen Freizeitgarten. Die Hecken und der Rasen sind sauber gestutzt, zwei kleine Löwenstatuen wachen an der Gartenpforte. Dahinter steht ein weißes Häuschen mit Satteldach, das ebenso gut in einem Märchenwald stehen könnte.
Bündgen-Stocks Garten liegt am Otterweg – „mittendrin im künftigen Niemandsland“, sagt der 62-Jährige. Er macht sich große Sorgen um die Zukunft seines Gartens, seit der Kleingärtnerverein (KGV) entschieden hat, sich vom Bezirk 11 zu trennen. Schrittweise soll das geschehen. Ungenutzte Parzellen werden nicht mehr verpachtet und an die Stadt Wilhelmshaven zurückgegeben.
Drei ehemalige Lauben an der Friedenstraße wurden bereits vom Eigenbetrieb Grundstücke und Gebäude der Stadt Wilhelmshaven (GGS) entfernt. Das Gelände hatte GGS schon vor längerer Zeit zurückgenommen. Zuletzt sei es nicht mehr als eine wilde Kippe gewesen. Sechs Tonnen Schutt und Müll seien entfernt worden, sagt Thea Pleitz, die bei GGS für die Kleingärtnervereine zuständig ist. Fundamente und Baumwurzeln werden noch entfernt, dann soll dort eine Mischwiese entstehen. So wolle man auch nach und nach bei den freien Gärten des Bezirks vorgehen.
„Der ganze Bezirk wird nun verwüstet, um damit Tatsachen zu schaffen“, sagt indes Bündgen-Stock. So würde der Verein versuchen, die letzten sechs verbliebenen Pächter doch noch zum Gehen zu bewegen.
Diese Vorwürfe weist der KGV-Vereinsvorsitzende Peter Seiler entschieden zurück. „Wir sorgen für mehr Planungssicherheit und schaffen Tatsachen, bevor die Stadt Wilhelmshaven zum Nachteil der Mitglieder Tatsachen schaffen kann.“ Die Räumung sei zeitlich unbegrenzt, versichert er. Den verbliebenen Pächtern werde also keine Frist gesetzt. „Sie können bleiben, so lange sie wollen und die Stadt den bestehenden Bebauungsplan nicht umsetzt.“
Das Problem: Der Bezirk 11 liegt teilweise im Bereich, der für die Trassenverlängerung der Berliner Straße vorgesehen war – Zukunftsmusik und seit Jahren nicht mehr als eine gestrichelte Linie auf alten Stadtplänen Wilhelmshavens. Der Bebauungsplan „Berliner Straße“ besteht seit Jahrzehnten.
Der Bezirk 11 ist deshalb nicht als Dauergartengelände ausgewiesen. Er unterliegt nicht dem Bundeskleingartengesetz, das den Freizeitgärtnern Rückendeckung geben würde, sollte die Stadt das Gelände eines Tages beanspruchen. Im schlimmsten Fall wären die Kleingärtner auf den Kosten für die Räumung sitzengeblieben. Dem habe der Verein nun vorgebeugt und mit GGS vereinbart, dass die Stadt die Kosten übernimmt.
Die Diskussion um die Entwicklung der Flächen rund um den Banter See, an der die Zukunft zahlreicher Freizeitgärten hängt, sei ein Grund für diese Entscheidung gewesen, so Seiler. Den eigenen Mitgliedern wolle man eine ähnliche Ungewissheit ersparen. Zudem seien etliche Kleingärten in Wilhelmshaven unbesetzt – 87 beim KGV Rüstringen. „Wir haben genug freie Gärten.“ Und diese verursachten dem Verein hohe Kosten, die alle Mitglieder letztlich tragen müssten, sagt Seiler.
Der Freizeitgärtner Peter Bündgen-Stock kann die Entscheidung trotzdem nicht nachvollziehen. Als ehemaliger Bezirksvorsteher hätte er interessierte Pächter gewonnen. Bleiben will er auf jeden Fall – selbst, wenn die freien Gärten um ihn herum nach und nach verschwinden. „Mein Garten kann ich schließlich nicht einpacken und woanders aufbauen.“
