Wilhelmshaven - Wenn alle vier Fregatten der Klasse F123 durch sind mit dem, was da geplant ist, verfügt die Deutsche Marine ab 2028 über vier moderne, standfeste und kampfkräftige Schiffe. Und die müssen den Vergleich mit Neubauten nicht scheuen. Davon ist Michael Neubold fest überzeugt. „Wir wollen die bewährte Performance der 123er in moderner Form wiederbekommen.“ Der 56-jährige Leitende Technische Regierungsdirektor ist Projektleiter F123 beim Beschaffungsamt der Bundeswehr und zeigt sich im Gespräch begeistert. Dem Mann gefällt offensichtlich, was da gemacht wird.
„Das ist eigentlich kein Projekt, sondern vielmehr eine Produktänderung“, macht er den Umfang der Maßnahmen an Bord der Fregatten deutlich. Als „Fähigkeitserhalt und -anpassung während der Nutzung“ wird das bezeichnet, was 2020 mit dem Beschluss aus dem Verteidigungsministerium angestoßen wurde: „Eine Nutzungsdauerverlängerung der vier Schiffe bis mindestens 2035 und deshalb die Sicherstellung der Einsatzverfügbarkeit – SdEV. Da war schnell klar, dass wir mit Zwischenlösungen nicht weiterkommen.“
Bund setzt erstmals auf marktverfügbare Lösung
Deshalb hat das Beschaffungsamt (Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr/BAAINBw) im Juli 2021 Saab den Auftrag über die Lieferung und Integration unter anderem neuer Radaranlagen und Feuerleitanlagen für die vier Fregatten erteilt. Außerdem stellt das schwedische Unternehmen das neue Führungs- und Waffeneinsatzsystem (engl. Combat Management System/CMS). Dabei hat sich die Deutsche Marine bei einem CMS erstmal für eine marktverfügbare Lösung entschieden – Saabs 9LV ist bei mehreren Marinen eingeführt und bewährt, zum Beispiel in Schweden und Australien. Dazu kommen neue Systeme zur Über- und Unterwasserkriegführung.
Schiffe sollen künftig 48 Monate fahren
Doch damit nicht genug. „Es wird bei der Klasse F123 künftig keine Zwischeninstandsetzungen mehr geben. Durch Anpassung etwa an den Antriebs- und E-Dieselmotoren verlängern wir die Betriebsperiode auf 36 Monate plus weitere zwölf Monate nach einer Begehung“, so Neubold. „Das bedeutet künftig ein Jahr Dockung und dann 48 Monate Betrieb. Mit der jüngsten Instandsetzung der Brandenburg haben wir angefangen – quasi als Blaupause.“
So sah die Fregatte „Schleswig-Holstein“ bislang aus. BILD: Julia Kelm
Nun liegt seit einem halben Jahr die „Schleswig-Holstein“ zu einer Grundinstandsetzung in der Emder Werft. Dabei arbeitet Saab als Hauptauftragnehmer für die anstehenden Schiffbauarbeiten mit der Werft Abeking & Rasmussen (Lemwerder) zusammen. „Dabei gab es keine zeitraubende Befundung, sondern die erforderlichen Arbeiten gehen direkt in medias res und es laufen erste Materialerhaltungsmaßnahmen. Ruder und Propeller sind demontiert, die Wellen werden noch gezogen und bis zur Höhe des B-Decks wurde die Außenhaut gesandstrahlt“, so Neubold. „Im Schiff werden alle Kupferkabel entfernt, das sind 50 bis 60 Tonnen Gewicht, und durch zeitgemäße Glasfaserleitungen ersetzt.“ Die Motoren werden zur Überholung beim Hersteller aus dem Schiff geholt und später wieder an Bord montiert.
Erste Einheit im Herbst 2025 zur Flotte
„Erst nach Abschluss all dieser schiffbaulichen Arbeiten und dem Ausdocken im April 2024 wird Saab mit seinen eigentlichen Arbeiten für die Ausstattung mit Radaren, Anlagen und Konsolen sowie Einspielen des neuen CMS loslegen.“ Das bedeutet allerdings, dass die „Schleswig-Hostein“ quasi als komplett neues Kampfschiff erst im Herbst 2025 der Flotte wieder zur Verfügung steht. „Beim ersten Schiff dauert es halt immer länger, weil alle Beteiligten Erfahrungen sammeln müssen. Fast zeitgleich stellen wir der Flotte dann nämlich auch die Mecklenburg-Vorpommern wieder bereit, die als zweite Einheit der Klasse im Mai 2024 ins Dock gehen soll und eben schneller fertig wird.“
Die vier Einheiten der „Brandenburg“-Klasse (F123) waren als Uboot-Jagd-Fregatten mit Fähigkeiten auch zur See- und Luftzielbekämpfung konzipiert worden und wurden von 1994 bis 1996 in Dienst gestellt. „Diese Fregatten sind vom Grundkonzept und schiffbaulich hervorragend für all das geeignet, was jetzt realisiert wird“, betont der Projektleiter. Sie werden noch in Dienst sein, wenn ihre Nachfolgeschiffe der Klasse F126 bereits in Dienst gestellt sind.
