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NWZonline.de Region Wilhelmshaven

Dramatische Rettung im Roten Meer

18.12.2013

Wilhelmshaven Europa hat sie wieder. Sie merken es an der langen Atlantik-Dünung am Eingang der Biskaya, freuen sich, dass kein Sturm tobt, drei Meter Seegang sorgen auch so für genug Bewegung im ständig rollenden Schiff. Die Besatzung der in Wilhelmshaven beheimateten Fregatte „Niedersachsen“ hat nur noch wenige Tage vor sich, dann wird sie am Freitag um 10 Uhr im Heimathafen festmachen.

Fünf Monate Einsatzfahrt liegen hinter den Frauen und Männern, 30 000 Seemeilen haben sie zurückgelegt. Im Juli waren die mehr als 200 Besatzungsmitglieder unter dem Kommando von Fregattenkapitän Kurt Leonards (45) in den Anti-Piraten-Einsatz der EU am Horn von Afrika gestartet.

Jetzt liegt ein erfolgreicher Einsatz hinter der Mannschaft – mit einem dramatischen Akzent auf der Rückreise, als im Roten Meer ein Besatzungsmitglied bei Routinearbeiten über Bord ging. Nahezu täglich wird eine solche Situation geübt, aber dennoch gibt es keine wirkliche Routine für solch höchst gefährlichen Zwischenfälle.

Glück und Können sorgten dafür, dass der verunglückte Marinesoldat nach sieben Minuten mit Hilfe eines der beiden Bordhubschrauber wieder an Deck war. Inzwischen geht es dem Verunglückten wieder gut, berichtet Kommandant Leonards. Nach der ersten ärztlichen Versorgung an Bord der „Niedersachsen“ war er allerdings sicherheitshalber über Israel nach Deutschland geflogen worden, wo er noch einmal in einem Krankenhaus durchgecheckt wurde.

Im indischen Ozean galt es vorher, im Rahmen der Operation „Atalanta“ zum einen Hilfslieferungen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen nach Somalia zu schützen und die Piraterie am Horn von Afrika zu verhindern. Dabei wurde von der „Niedersachsen“ unter anderem ein Pirateneinsatz direkt nach dem Start verhindert.

Noch in Sichtweite der somalischen Küste waren die Piraten entdeckt und gestellt worden. Hektisch warfen sie daraufhin Waffen und typische Gerätschaften über Bord und flohen vor dem sich nähernden schnellen Beiboot mit dem sogenannten „Boarding-Team“ zurück an den Strand. Beim „Boarding-Team“ handelt es sich um speziell ausgebildete und höchst durchtrainierte Soldaten, die jeweils als erste an Bord fremder Schiffe gehen – entweder um sie zu kontrollieren oder aber auch zur freundlichen Kontaktaufnahme.

Diese Kontaktgespräche mit Handelsschiffern oder Fischern haben sich inzwischen zu einem wesentlichen Schwerpunkt des Einsatzes entwickelt. Durch die Gesprächsaufklärung werden wertvolle Informationen über die Lage in der Region gewonnen. Gleichzeitig erfahren die deutschen Marinesoldaten dabei nahe zu täglich die hohe Wertschätzung der örtlichen Fischer. „Sie sagen uns immer wieder, dass sie hier nur fischen können, weil wir hier sind“, sagt Kurt Leonards. Für die Besatzung sei das ausgesprochen erfüllend, täglich zu erfahren, wie sinnvoll der Einsatz sei.

Dass die Piraterie in den vergangenen zwei Jahren in dem vorher höchst gefährlichen Gebiet drastisch zurückgegangen ist, hat offenbar auch mit ein weiteren Form der Aufklärung zu tun. So fliegen die Bordhubschrauber regelmäßig über das somalische Küstengebiet. Dabei wird das Leben in den Piraten-Siedlungen sehr genau dokumentiert.

Ziel der Hubschraubermissionen ist es, Erkenntnisse zu gewinnen, die dabei helfen, zukünftige Piratenangriffe bereits im Vorfeld zu verhindern. Eine Taktik, die auch deshalb recht gut aufgeht, weil die Erkenntnisse unter den verschiedenen Nationen, die sich um die Sicherheit in dem riesigen Seegebiet kümmern, ausgetauscht werden. Neben dem EU-Verband sind derzeit ein Nato-Verband, ein nationaler Verband der Vereinigten Staaten sowie Kriegsschiffe aus China, Indien, Korea, Japan, Russland und der Ukraine dort im Einsatz.

Dass die Gesamtlage inzwischen sehr viel besser geworden ist, hängt wahrscheinlich zusätzlich damit zusammen, dass auch die privaten Sicherheitsteams an Bord vieler Handelsschiffe für eine gewisse Abschreckung sorgen.

Bis Freitag muss sich die „Niedersachsen“ jetzt noch durch europäisches Wetter nach Wilhelmshaven durcharbeiten. Bei einem Zwischenstopp in Barcelona gab es die Möglichkeit, erstmals wieder Europa zu schnuppern. . .

Mit Freude wurde auf der „Niedersachsen“ zur Kenntnis genommen, dass Innenminister Boris Pistorius (SPD) zur Begrüßung kommen wird. Er will es sich nicht nehmen lassen, die letzten Meilen bis zum Heimathafen mit an Bord zu sein.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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