Wilhelmshaven/Friesland - Auf dem Tisch steht das Teeservice „Ostfriesische Rose“ und heißt einen willkommen. Schnell zeigt sich: Reinhold Jacobs ist ein aufmerksamer Mann. Freundlich, zugewandt – und er kann gut zuhören. Das allein sind schon gute Voraussetzungen, um ehrenamtlich als Sterbebegleiter für den Ambulanten Hospizdienst Wilhelmshaven-Friesland tätig zu sein. „Mein wichtigstes Hobby!“
AusgebildeterSozialarbeiter
Als ausgebildeter Sozialarbeiter und Familientherapeut blickt der 68-jährige Wahl-Siebethsburger zudem auf ein reiches Berufsleben im Umgang mit Menschen zurück. „Bis zur Rente habe ich zuletzt als Erziehungsleiter im Vareler Waisenstift gearbeitet und bin als Familientherapeut noch an zwei Tagen in der Woche in einer Wohngruppe in Bockhorn tätig.“
Was ihn zu seinem Ehrenamt gebracht hat? „Ich habe in meinem Beruf ja regelmäßig Trauerarbeit geleistet und dann vor sieben Jahren meine Schwiegermutter in den Tod begleitet. Das habe ich als sehr bereichernd für mein Leben empfunden“, erzählt er. „Vor vier Jahren habe ich mich nach einem Gespräch zur Ausbildung beim Ambulanten Hospizdienst angemeldet. Der sogenannte Qualifizierungskurs wird regelmäßig angeboten. Inzwischen liegen auch schon einige Weiterbildungen hinter mir.“
Aktuell begleite er zwei Familien mit je einem kranken Kind – 14 und neun Jahre alt. „Da spreche ich zunächst mit den Eltern, um auszuloten, wie ich am besten Kontakt zu dem Kind bekomme. Der Neunjährige hat mir dann das Haus gezeigt, sein Zimmer und sein Lego – und mich dann eingeladen ,Komm’ mal nächste Woche’. Für die Eltern bin ich dann der ,Entlaster’ und einfach da, fürs Zuhören oder Reden.“ Den Kindern biete er an, mit ihm über all das zu reden, worüber sie mit den Eltern oder Großeltern nicht sprechen mögen. „Über Schuldgefühle wegen ihrer Krankheit zum Beispiel.“
Mancher Kontakt gestaltet sich schwierig
Schwierig habe sich seinerzeit der Zugang zu einem alten Mann gestaltet, der in einem Wilhelmshavener Pflegeheim lebte. „Der wollte anfangs von mir gar nichts wissen und hat mich sogar angeschrien. Irgendwann habe ich ihn dann in seinem Zimmer aufgesucht. Er schaute auf und sagte ,Ach du Scheiße!’ – aber von da an war das Eis gebrochen“, erzählt Reinhold Jacobs. „Wir haben uns richtig gut verstanden. Ich bin mit ihm im Rollstuhl am Südstrand gewesen, habe ihn fünfmal die Woche besucht oder auch nur einmal im Monat. Wie es gerade nötig war. Am Ende wurde ich sogar zur Seebestattung mit eingeladen, das war ein würdiger Abschied.“
Ja, es sei emotional schon ein Unterschied, wen er begleite. „Bei einer Familienbegleitung weiß ich, dass die Eltern des todkranken Kindes mich überleben werden, der 86-Jährige, dem ich zur Seite stehe, hingegen nicht.“
Mit großer Freude sei er nach einer speziellen Weiterbildung bei „Hospiz macht Schule“ für dritte und vierte Klassen dabei.
Auch Projekte mit Schulklassen
„Bei diesem fünftägigen Projekt sind wir Ehrenamtlichen in der Regel zu sechst voll eingebunden. Es geht an diesen Tagen grundsätzlich darum, zu vermitteln, dass Leben und Sterben miteinander untrennbar verbunden sind“, erklärt Jacobs. „Viele von den Kleinen haben durchaus schon Erfahrungen mit dem Tod, zum Beispiel, weil die Oma oder der Opa oder das Haustier gestorben sind. Es ist für uns immer wieder erstaunlich, wie viele unterschiedliche Facetten die Kinder bei diesen Themen einbringen. Sie sind von dieser Woche jedenfalls begeistert.“
Ausgleich finde er selbst unter anderem bei der Supervision durch den Hospizdienst, aber ebenso durch das Singen in der Banter Kantorei und in Jever. „Und meine drei erwachsenen Kinder wohnen mit ihren Familien alle in der Nähe – einfach schön.“
