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EHRENAMT Lachen macht kranke Kinder gesund

KERSTEN LETTAU

wilhelmshaven

Mit großen Augen verfolgt der sechsjährige Marvin die kleinen Zauberkunststücke von Clown Fratz, lauschen er und seine Mama dem Kinderlied von Clown Schmatz. Marvin ist nicht Besucher in einem Zirkus sondern Patient der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Reinhard-Nieter-Krankenhauses.

Fratz und Schmatz, alias Antje Wiese und Hilda Kohler, besuchen seit dem Frühjahr, immer donnerstags, die Stationen der Klinik, um den jungen Patienten Abwechslung in den für sie ungewohnten Klinikalltag zu bringen, mit ihnen und den Eltern zu singen und so manche Späße mit Groß und Klein zu treiben.

Lustig verkleidet, mit Allerlei bunten Utensilien und Schnickschnack behangen, kleine Geschenke im Clowns-Rucksack verborgen, beginnt um 10 Uhr der fröhliche Weg über die Stationen der Kinderklinik. Je nach Erkrankung der Kinder, nach Situation auf der Station oder im Patientenzimmer spielen Antje Wiese und Hilda Kohler kleine Szenen, stimmen ihre Lieder an oder ärgern die Pflegenden und Ärzte.

Nach wenigen Minuten schon verändert sich die Atmosphäre und Stimmung nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den Eltern. Besonders die Väter spielen bestens mit, berichten Fratz und Schmatz. Beide bringen fundierte Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit Kindern mit. Hilda Kohler ist Diplompädagogin im Ruhestand und vielen Erzieherinnen in Wilhelmshaven und im Umland als Lehrerin der Fachschule für Sozialpädagogik gut bekannt. Gemeinsam mit Angelika Heinich hat sie in der Theaterwerkstatt gearbeitet.

Antje Wiese war in unterschiedlichen therapeutischen Berufen tätig. Als Heilpraktikerin bietet sie u.a. ayurvedische Massagen und unterschiedliche Entspannungstherapien an. Das Clownspiel fasziniert sie schon seit Jahren. In Rollen zu schlüpfen, Menschen durch gekonntes Mimik- und Gestenspiel zum Lachen zu bringen und dabei auf spontane Situationen zu reagieren hat für sie etwas Reizvolles. So reiste sie vor zwei Jahren nach Russland, um von den großen Meistern des Fachs zu lernen.

Im Frühjahr dieses Jahres haben sich die beiden Frauen zusammengesetzt und die Idee für die Besuche in der Kinderklinik wurde geboren. Beide lieben fröhliche Kinder, beide Frauen wollten dafür etwas tun. Für ihren Russland-Aufenthalt hatte sich Antje Wiese schon eine Grundausstattung, die jeder richtige Clown benötigt, zugelegt.


Nach einer intensiven Entdeckungstour durch eigene Schränke und Dachböden, über Flohmärkte und durch Spielzeuggeschäfte, mit Phantasie und Kreativität wurde aus einer Idee ein Projekt. Sie stellten es in der Kinderklinik vor, informierten sich vor Ort über die Bedingungen auf den Stationen, über die vorwiegenden Erkrankungen der jungen Patienten, sprachen mit Ärzten und Pflegenden über Dinge, die sie bedenken müssen bei ihren Auftritten. In der Kinderklinik war man von der Idee begeistert und ebenso gespannt wie Fratz & Schmatz, wie die kleinen Patienten reagieren würden.

Mit etwas Lampenfieber, das zu jeder Premiere gehört, betraten der runde Clown Schmatz und der an Pippi Langstrumpf erinnernde Clown Fratz die erste Station. Aus erstaunten Kinderaugen wurden schnell Lachende und für einige Minuten war das Kranksein vergessen.

Seitdem kommen Hilda Kohler und Antje Wiese jeden Donnerstag ins Reinhard-Nieter-Krankenhaus. Ehrenamtlich! Kleine, lustige Szenen lassen die erste Zurückhaltung einiger Patienten schnell verschwinden und sie haben gemeinsam Spaß. Auch die Mitarbeiter und Besucher sind vor dem Schabernack der Clowns nicht sicher. „Wenn wir in ein Zimmer gehen, natürlich sprechen wir vorher mit dem Pflegepersonal, müssen wir schnell den Gemütszustand des Patienten erfassen. Da passiert es auch mal, dass sich eine 14-Jährige abrupt zur Seite dreht und mit uns und unserem Kinderkram nichts zu tun haben will. Das macht nichts, wir ziehen weiter und machen unsere Späße“, erzählt Schmatz, während sie einer Schwester eine lange Nase zeigt und Marvin verschwörerisch zulächelt.

Nach zwei Stunden haben sie alle Patienten besucht, den letzten Luftballon verschenkt und etwas Tolles geleistet. Ziemlich geschafft vom anstrengenden Clown-Leben freuen sich beide Frauen schon auf die nächste Woche, auf andere kleine Patienten, auf neue Situationen und Erfahrungen.

Überlegungen, ihre ehrenamtliche Arbeit auszubauen, gibt es bereits. An Ideen mangelt es Antje Wiese und Hilda Kohler nicht, denn nicht immer müssen es große Dinge sein, die große Freude bereiten. So wie sie die Wünsche der Kinder nach einem weiteren Lied oder Witz gern erfüllen haben sie selbst auch einen Wunsch: Es wäre schön, wenn sich noch mehr Menschen, ihrem Beispiel folgend, ehrenamtlich engagieren würden.

Es ist ein gutes Gefühl, es bereitet Freude und es ist wichtig - darin sind die zwei engagierten Frauen einer Meinung.

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