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NWZonline.de Region Wilhelmshaven

Ein Sherry auf den neuen Öl-Hafen

21.11.2008

Anfang der 50er-Jahre expandierte die Mineralölindustrie an Rhein und Ruhr. Die Tanker wurden größer, die Häfen, die sie abfertigen konnten, kleiner.

Von Hans-Jürgen Schmid

Wilhelmshaven Es entstand Mitte der 50er-Jahre die Idee, die Abnehmer in Nordrhein-Westfalen mit einer Rohrleitung von der Küste aus zu verbinden. Viele Häfen zwischen Marseille und Hamburg waren alsbald im Rennen, auch Wilhelmshaven.

Im Februar 1955 ging es nur noch um Rotterdam oder die Jadestadt. Den Ausschlag in dieser zermürbenden Zitterpartie gaben das Fahrwasser und die Zusage des Bundes, dieses an die Entwicklung der Tanker anzupassen.

Am 15. November 1956 trat Esso-Generaldirektor Gerhard Geyer in Hamburg vor die wartenden Journalisten. Geyer, der stets als Wilhelmshaven-freundlich eingeschätzt wurde, sagte: „Meine Herren, Wilhelmshaven wird Ölhafen. Lassen Sie uns darauf mit einem Sherry anstoßen.“

Das Vertragswerk hatte offenkundig schon am 9. November unterschriftsreif vorgelegen. Doch dann hielten die Wilhelmshaven-Freunde den Atem an: Unvermutet war die Shell AG, einer der Gesellschafter, abgesprungen. Die unruhige weltpolitische Lage verstärkte das Bangen.

Die Arbeiten auf dem Heppenser Groden begannen zügig und wurden insbesondere von Dr. Günter Clemens geprägt. Clemens (1900-1969) war technischer Leiter der Esso AG und wurde im Juni 1957 Geschäftsführer der Nord-West-Oelleitung GmbH (NWO). Er hatte ein Vorhaben umzusetzen, für das es in Europa damals kein Vorbild gab: Versorgung binnenländischer Raffinerien über eine lange Pipeline. Ein wenig „Pipeline-Bau“ hatte Clemens, 1966 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, indes schon in Hamburg üben können. Dort schuf er mit seinen Kollegen Dr. Uhde und Wehrspohn eine etwa 16 Kilometer lange Pipeline vom Petroleumhafen zur Raffinerie. Es war jener Hafen, in dem zahlreiche NWO-Mitarbeiter auf ihre Tätigkeit auf der NWO-Brücke vor dem Heppenser Groden vorbereitet wurden.

Die Arbeiten in und vor Wilhelmshaven schritten schnell voran. Beflügelt wurden sie von einem Gutachten des Haushaltsausschusses des Bundestages, in dem es hieß: „Wilhelmshaven hat das beste Fahrwasser an der deutschen Nordseeküste. Vertiefung und laufender Unterhalt sind nirgends besser und günstiger als hier.“

In die Zukunft blickten damals auch Prof. Dr. Hensen, Direktor des Franzius-Institutes Hannover, und Prof. Dr. Berkenkopf, Direktor des verkehrwissenschaftlichen Institutes der Universität Köln und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates beim Bundesverkehrsminister: „Für Schiffe über 60 000 Tonnen ist nur Wilhelmshaven auszubauen.“ Nun, die Zeit warf derlei Prognose über den Haufen.

Arthur Grunewald und Dr. Günter Clemens sahen die Einrichtungen des neuen Ölhafens an Land und auf der Jade – der erste Pfahl wurde Silvester 1957 gerammt – schnell wachsen. Am 17. November 1958 zog die NWO-Verwaltung von Hamburg nach Wilhelmshaven um, und zwölf Tage später begann für die Jadestadt die neue Ära als Ölhafen.

Am Vormittag legte die „Bugsier 16“ – der 1060 PS-Schlepper war über die Toppen geflaggt – mit vielen Gästen bei drei Windstärken aus Südost an der Strandhalle ab. Auf Höhe Wangerooge erreichte man die „Esso Frankfurt“. Über das Fallreep kletterten die Gäste an Bord. Sie brachten den „Rüstringer Friesen“ mit.

Die Wilhelmshavener Stadtflagge flatterte umgehend in der Saling. Mit der „Bugsier 17“ und der „Centaur“ vor dem Bug und „Bugsier 16“ und „Arche“ schob sich die „Esso Frankfurt“ – mit dem Lotsen Köpke an Bord – mit zwölf Knoten Fahrt zum Ölhafen. Das Wendemanöver vor dem Anlegen ließ, so wurde später von vielen Sehleuten immer wieder betont – das Herz alter Fahrensleute im Leibe hüpfen.

Um 14.21 Uhr am 29. November war die erste Leine an Land. 70 Minuten später war die „British Energy“ aus dem Dunst aufgetaucht und fest.

Fast 10 000 Menschen standen auf dem Deich und sahen gebannt zu. Vor ihren Augen hatte für Wilhelmshaven eine neue Ära begonnen.

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