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NWZonline.de Region Wilhelmshaven

„Einsamkeit macht krank“

04.04.2009

Mit Spendengeldern kann Senioren, die in eine Notlage geraten sind, geholfen werden.

Von Kristin Kleyhauer

Wilhelmshaven „Wenn ich 30 Jahre jünger wäre, würde ich Sie sofort heiraten“, sagte einst eine 95-jährige Dame zu Jürgen Breeden. Der heute 73-Jährige arbeitet seit 16 Jahren als ehrenamtlicher Helfer beim Altenhilfe-Besuchsdienst der Stadt Wilhelmshaven.

Schöne und lustige Erinnerungen hat Breeden viele. Die alte Dame war eine der wenigen Frauen, die er regelmäßig besuchte, bis sie starb. Seitdem hat der Wilhelmshavener viele andere ältere Menschen in der Jadestadt betreut, meistens Männer.

Jürgen Breeden ist einer von 100 Ehrenamtlichen, die sich für den Altenhilfe-Besuchsdienst um ca. 350 alte Menschen kümmern. Sie besuchen sie mindestens einmal in der Woche.

Viele Senioren sind sehr einsam. „Und die Einsamkeit macht sie krank“, sagt Traudel Korst. „Ich merke immer mehr, dass das, was wir tun, eine ganz wichtige Aufgabe ist“, sagt sie. Die Besuche bereiten den alten Menschen Freude, sie lenken sie ab von Schmerzen oder vom Alleinsein. Einfach da zu sein und zuzuhören, reicht manchmal schon, um sie wieder glücklicher zu machen.

Der Altenhilfe-Besuchsdienst feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag. Der ehemalige Sozialdezernent in Wilhelmshaven, Dr. Horst Engstler, hatte das Projekt 1979 ins Leben gerufen. Erika Reichenbächer übernahm die Leitung des Besuchsdienstes. Sie fing damals mit zehn ehrenamtlichen Helfern an. Seit dem Jahr 2000 ist Annemarie Hellwig die Leiterin.

Mehr als 30 Prozent der Wilhelmshavener sind älter als 60 Jahre. Der Bedarf an einem Besuchsdienst wird also nicht kleiner. Nicht alle alten Menschen haben Angehörige vor Ort. „Man ist so manches Mal Mittler zwischen den alten Menschen und den Angehörigen“, erzählt Traudel Korst.

Wenn die alten Menschen sterben, ist das für die Besucher nicht leicht. „Man hat sich aneinander gewöhnt. Das ist dann, als ob ein Familienmitglied stirbt“, beschreibt Detlef Meyer. Er betreut einen Mann, der nach einem Schlaganfall nicht mehr sprechen kann. „Wir kennen uns aber schon so gut, dass wir uns durch Blickkontakt verständigen können“, verdeutlicht er die Intensität der Beziehungen, die zwischen Besucher und Besuchtem entstehen können.

Die Ehrenamtlichen helfen ihren Schützlingen auch bei Behördengängen oder bei Anträgen. Viele müssen Grundsicherung beantragen. „Die Altersarmut ist groß“, sagt Inge Krüger. Sie ist seit 25 Jahren im Altenhilfe-Besuchsdienst aktiv. 19 Menschen hat sie in dieser Zeit besucht. „Die Menschen erzählen uns viel, man muss aber auch lernen, zwischen den Zeilen zu lesen.“

Das ist besonders dann wichtig, wenn jemand in Not geraten ist und Hilfe braucht, sich aber nicht traut, darum zu bitten. „Es gibt immer noch viele Menschen, die sich nicht einmal das Nötigste kaufen können“, sagt Annemarie Hellwig und nennt ein Beispiel: Eine alte Frau brauchte für einen Krankenhausaufenthalt neue Wäsche. Die konnte sie sich schlicht nicht leisten. Eine andere hatte Rückenprobleme und brauchte eine neue Matratze – zu teuer. Der Kühlschrank eines Mannes war kaputt. Einen neuen konnte er nicht bezahlen. In Fällen wie diesen, versucht der Altenhilfe-Besuchsdienst unbürokratisch einzuspringen.

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