Wilhelmshaven - Wenn man das Wort Karneval hört, denken die meisten wahrscheinlich zuerst an die Hochburgen dieses Festes – Köln und Mainz. Doch auch in der Jadestadt wird sich seit dem 11. November, der traditionell der Startschuss für die „fünfte Jahreszeit“ ist, intensiv auf den Höhepunkt der Karnevalssaison im kommenden Februar vorbereitet.
Die Fastnachtsgesellschaft Schlicktown gibt es seit 1970 und stellt mittlerweile den einzigen Karnevalsverein in Wilhelmshaven. Schon für Kinder ab drei Jahren, im Kreise der Fastnachtsgesellschaften auch „Wonneproppen“ genannt, bietet der Verein ein Tanzangebot. Es folgen die Sternengarde (7 bis 11 Jahre), Funkengarde (11 bis 16 Jahre) und die Prinzengarde (ab 16 Jahren). Wer denkt, bei einer Fastnachtsgesellschaft geht es nur ums Herumtanzen und Feiern, der irrt: Der karnevalistische Tanzsport ist vom Deutschen Sportbund mittlerweile als Leistungssport anerkannt.
Ohne Fleiß kein Preis
Um für Gardeturniere und nicht zuletzt für den Vareler Karnevalsumzug am 10. Februar fit zu sein, trainieren die „Ältesten“ zweimal die Woche. „Viele kenne ich von klein auf, als sie bei den Wonneproppen angefangen haben“, erzählt Gabi Kostka, Trainerin der Prinzengarde. Bis zu anderthalb Stunden dauert ein Training der Gardetänzerinnen – und das hat es ordentlich in sich. Mit Fanfaren-Musik und gestrecktem Tanzbein hüpfen die Tänzerinnen als Aufwärmprogramm fünf Minuten auf der Stelle, ehe sich gedehnt wird. Anschließend werden die Tänze für die kommenden Auftritte geprobt. „Jetzt nach den Ferien und der Weihnachtszeit müssen sie erstmal wieder reinkommen“, so Kostka.
Neben dem Gewinn von Turnieren gibt es für die Tänzerinnen auch eine persönliche Auszeichnung zu gewinnen: die Wahl zum Funkenmariechen. „Wer durch besondere Leistung hervorsticht, wird zum Sichtungstraining eingeladen“, betont Thorsten Omland, Präsident der Fastnachtsgesellschaft Schlicktown. Das Funkenmariechen ist das Aushängeschild einer jeden Garde und wird beim Umzug wortwörtlich „auf Händen getragen“. Die dafür nötige Fitness müssen sich die entsprechenden Tänzerinnen in zusätzlichen Trainingseinheiten erarbeiten. „Es steckt schon viel Arbeit dahinter“, gibt Mirja Bruns zu. Die 16-Jährige ist aktive Gardetänzerin seit sie vier Jahre alt ist und stellt eine von insgesamt zwei Funkenmariechen ihrer Prinzengarde.
Jedes neue Gesicht ist willkommen
Im Vergleich zu den großen Karnevalsstädten wie Köln oder Mainz ist die Begeisterung für dieses Fest im Nordwesten etwas zurückhaltender. „Das liegt denke ich mal an der norddeutschen Mentalität“, vermutet Omland. In jüngerer Vergangenheit machte dem Verein zudem die Corona-Zeit zu schaffen, als der Trainingsbetrieb nur eingeschränkt und oft per Videoübertragung abgehalten wurde. Die „Schlicktowner“ blicken dennoch positiv in die Zukunft und Trainerin Gabi Kostka freue sich auch über neue Mitglieder. „Wir nehmen jeden herzlich auf, auch Menschen, die sich gerne für den Verein engagieren möchten.“
