FERNDORF/WILHELMSHAVEN - Die Frage, ob es sich bei dem Punkt, den sich der Wilhelmshavener HV am Sonnabend in Ferndorf erspielt hat, um einen gewonnenen oder verlorenen Punkt gehandelt habe, beantwortete Drittliga-Handball-Trainer Christian Köhrmann deutlich mit: 'Wir haben zwei Punkte verdient.' Diese Überzeugung machte er daran fest, dass seine Mannschaft über 60 Minuten guten Handball gespielt hatte, obwohl mit René Drechsler (krank) und Oliver Köhrmann (ab der 5. Minute verletzt) zwei Leistungsträger ausgefallen waren. Dennoch stand es am Ende der Partie 32:32-unentschieden, und die Emotionen bei den Beteiligten kochten über.
Das war passiert: 45 Sekunden vor Schluss hatte der WHV mit 32:30 geführt, 15 Sekunden vor Ende der Partie kam Ferndorf zum 31:32-Anschlusstreffer. Zu diesem Zeitpunkt war der Wilhelmshavener Matej Kozul schon nicht mehr dabei, er hatte in der 47. Minute die dritte Zeitstrafe kassiert. Der WHV war in Ballbesitz, doch viel zu schnell pfiffen die Unparteiischen Zeitspiel. Lukas Kalafut ließ den Ball etwas zu weit wegrollen und wurde mit der Roten Karte plus Bericht bestraft – Ferndorf war im Angriff. Diesen stoppte Evgeny Vorontsov und musste mit zwei Minuten vom Feld. Die Uhr war bereits heruntergelaufen, doch nun fokussierte sich die Aufmerksamkeit auf das Geschehen abseits des Spielfelds.
Matej Kozul war auf der Bank des WHV von einem Ferndorfer Fan angegangen worden, der sich über die Brüstung gelehnt hatte. Christian Köhrmann wollte seinen Spieler schützen, sprang hoch und schob den aufdringlichen Fan 'mit drei Fingern', wie der Coach betonte, zurück. Durch zwei weitere Fans, die ihren Kollegen zurückzogen, kam dieser zu Fall, die Schiedsrichter wollten indes einen Schubser von Köhrmann gesehen haben. Auch er sah also Rot und muss nun um seinen Trainereinsatz im Derby gegen Varel bangen.
Mit nur noch drei Wilhelmshavener Spielern auf dem Platz wurde dem TuS Ferndorf ein letzter Freiwurf zugesprochen, den Patrick Bettig an Block und Torwart Christoph Dannigkeit vorbei zum 32:32-Endstand verwandelte.
'Ich bin wirklich zufrieden mit den Jungs, die haben das ohne René und Oli super gemacht', sagte Köhrmann am Ende und war dankbar, dass der gegnerische Mannschaftsverantwortliche Bernd Spies sowohl die Zeitnehmer auf ein fehlendes Tor der Wilhelmshavener hinwies, als auch die von ihm getätigte Darstellung der Szene auf der Bank unterschrieb. So bleibt die Hoffnung auf ein Stattgeben des Protests erst einmal bestehen.
