Wilhelmshaven - Um 23 Uhr knallt es. Dann wird das „Wochenende an der Jade“ seinen Höhepunkt erreichen. „Mit einem atemberaubenden Abschlussfeuerwerk, das den Himmel über der malerischen Hafenstadt in ein schillerndes Farbenmeer verwandeln wird.“ So bewirbt die Stadt Wilhelmshaven schon jetzt den 7. Juli 2024.
Was offenbar längst Programm ist, muss aber am Mittwoch, 20. Dezember, 15 Uhr, im Rat der Stadt noch verabschiedet werden. Genau das wollen Naturschützer indessen in letzter Minute doch noch verhindern - mit Argumenten. „Wenn Rat, Verwaltung und Touristik es ernst meinen damit, dass Wilhelmshaven die Hauptstadt des Weltnaturerbes Wattenmeer sein soll, muss der Weltnaturerbe-Gedanke auch gelebt werden“, erklärt Imke Zwoch von der BUND-Kreisgruppe Wilhelmshaven und fordert ein klares Nein zum Höhenfeuerwerk auch mit Blick auf die Entscheidung des Rates, dass trotz enger finanzieller Spielräume das Trilaterales Weltnaturerbe Wattenmeer Partnerzentrum (TWWP) gebaut werden soll. „Ein wichtiger Schritt, aber ein Gebäude allein reicht nicht.“
Wenn es nach dem BUND geht, soll nicht nur bei Veranstaltungen auf Höhenfeuerwerke verzichtet werden. Die Naturschützer fordert das Verbot von privatem Feuerwerk in einer festzulegenden Pufferzone entlang der Wattenmeer-Küste nach dem Vorbild der Gemeinde Wangerland.
Kritik an Pro-Argumenten der Schausteller
„Wilhelmshaven muss als Weltnaturerbe- und auch Biosphären-Kommune zum Vorbild werden für Naturschutz und Nachhaltigkeit. Davon wird nicht nur die Natur profitieren, sondern auch die Attraktivität als Wohnort und als Tourismusort mit eigenem, geschärften Profil.“ Aus Sicht des BUND sei es deshalb richtig gewesen, als die Stadt Wilhelmshaven im Jahr 2020 entschieden habe, dass es ab 2021 zum Wochenende an der Jade kein Feuerwerk mehr geben soll. „In diesem Jahr wurde diese wegweisende Entscheidung rückgängig gemacht - auf Wunsch der Schausteller, so hieß es, damit die Gäste nicht früher gehen, sondern bis zum Feuerwerk bleiben. In der Realität sah es so aus, dass gegen 18 Uhr zahlreiche Menschen das Fest verließen und dann ab 22.30 Uhr eine große Autokolonne rechtzeitig zum Feuerwerk Richtung Südstadt und Südstrand rollte“, sagt der BUND. Einige Mitglieder der Kreisgruppe hätten sich am Feuerwerksabend auf der Bank an der Seeschwalbenkolonie versammelt, um die Reaktion der Tiere auf das Feuerwerk zu beobachten. „Von dort aus war die Fahrzeugkolonne gut zu beobachten, die kurz vorm Feuerwerk über den Grodendamm rollte und kurz nach dem Feuerwerk wieder zurück.“
Negative Auswirkungen für Wildtiere seien längst belegt
Den Naturschützern geht es aber nicht nur darum, dass die Stadt Wilhelmshaven mit gutem Vorbild vorangeht. Unter anderem berufen sie sich auf die Grundsatzregel im Bundesnaturschutzgesetz, nach dem es verboten ist, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten – oder ihre Lebensstätten zu beeinträchtigen. „Dieser Tatbestand greift überall, auch außerhalb von gesetzlichen Schutzgebieten, zum Beispiel auch in städtischen Parkanlagen.“
Die negativen Auswirkungen für Wildtiere liegen für die Naturschützer auf der Hand. Zur Reaktion von Vögeln und anderen Wildtieren auf Feuerwerke gebe es zahlreiche wissenschaftliche Publikationen. „Je nach Dauer und Intensität bleiben die Tiere ihrem angestammten Brut-, Rast- und Nahrungsgebieten über einen längeren Zeitraum fern, im besten Fall nur Stunden, aber es können auch Tage oder Wochen sein oder sie kehren gar nicht mehr zurück“, so der BUND: „Wildgänse oder Watvögel, die auf Kamtschatka oder anderen nordischen Regionen abseits jeglicher Zivilisation geschlüpft und flügge geworden sind und nun ihren ersten Herbst oder Winter in der dicht besiedelten Wattenmeer-Region verbringen, reagieren hochsensibel auf Störungen. Sie sind auf den täglichen Überlebenskampf geeicht, wozu – neben unentwegter Nahrungssuche - gehört, jeder drohenden Gefahr weiträumig auszuweichen.“
Das sagt die Stadt Wilhelmshaven zu den Auswirkungen
Ähnlich äußert sich auch die Stadt Wilhelmshaven auf die Anfrage des Ratsherren Bruder Franziskus/ Miguel Schaar (Grüne) zu diesem Thema. Demnach gebe es speziell für Wilhelmshaven zwar keine Untersuchungen zu möglichen Auswirkungen, aber aus bekannten Studien ließen sich Rückschlüsse ziehen. „Insbesondere Vögel und Meeressäuger würden die akustischen und optischen Störungen als direkte Bedrohung wahrnehmen und darauf mit Stress, Flucht- oder Vermeidungsverhalten reagieren“, heißt es im Schreiben an den Ratsherren. Damit verbunden sei ein erhöhter Energieverbrauch, Beeinträchtigung der Vitalität und sogar, mit Blick auf den Zeitpunkt des geplanten Feuerwerkes Anfang Juli Brutaufgaben und Gelegeverluste oder die Trennung von Eltern- und Jungtieren.
