Wilhelmshaven
„Eine ganz interessante Sache“, sagt Dieter Ohls über das Thema, das er als Fachberater Schulsport im Auftrag des Kultusministeriums seinen Lehrer-Kollegen nahebringen sollte. „Fitness-Landkarte Niedersachsen“ heißt das Projekt, mit dem auf Erlass des Kultusministeriums ab November die sportliche Leistungsfähigkeit der niedersächsischen Schüler, aber auch ihre Einstellung, ihr Verhalten und ihr Interesse erfasst werden soll.Alle Schüler von Klasse 1 bis 10 haben sieben gleiche Übungen zu absolvieren und einen Fragebogen auszufüllen. Die Sportlehrer sollen die Daten dann zur zentralen Auswertung an das Wissenschaftliche Instituts der Ärzte Deutschlands (WIAD) weiterleiten. Kultusminister Bernd Busemann verspricht sich von der Aktion, dass auch Schüler erreicht werden, die bislang wenig Bewegungsdrang an den Tag legten.
Bevor allerdings die Schüler zu den Übungen auf Langbänke in den Turnhallen steigen, gehen erst einmal die für die Durchführung verantwortlichen Lehrer auf die Barrikaden: Als der Wilhelmshavener Fachberater Dieter Ohls den Sport-Obleuten der Wilhelmshavener Schulen die bevorstehende Aufgabe erläuterte, hagelte es massiven Protest. „Dass es Einwände geben würde, hatte ich erwartet. Aber nicht in diesem Ausmaß,“ so Ohls.
Für Aktionismus und unsinnige Zeitverschwendung hält beispielsweise Ursel Kindel, Leiterin der Ansgarischule, den Fitnesstest. Sie hat sich im Auftrag ihrer Kollegen an den CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Uwe Biester gewandt, um die Kritik der Wilhelmshavener Pädagogen auf die politische Ebene weiterzuleiten.
Durch die Vergleichsmöglichkeit werde kein Kind motiviert, mehr Sport zu treiben, so Kindel. Wirklich helfen würden die dritte Sport-Wochenstunde, hinreichend Sportlehrer, mehr und attraktivere Hallen mit guter, zeitgemäßer Ausstattung. Dafür aber habe das Land kein Geld.
„Die dritte Sportstunde kommt nicht“, das hat Dieter Ohls auch von der im Kultusministerium für Schulsport verantwortlichen, einst als Diskuswerferin bekannten Liesel Westermann-Krieg erfahren.
Auch an den Übungen selbst haben die Lehrer einiges auszusetzen. Es sei unsinnig, von Klasse 1 bis 10 die gleichen Anforderungen zu stellen. Während sich die Kleinsten beim Halten im Hang an der Sprossenwand die Nasen brechen könnten, würden die Zehntklässler beim Zielwerfen mit selbst zu füllenden Sandsäckchen bestenfalls die Lachmuskeln strapazieren. Das Rumpfbeugen auf der Langbank rufe Bandscheibenschäden hervor. Und was das ganze mit Fitness zu tun habe, sei vollends schleierhaft.
Kritik, die Dieter Ohls so nicht gelten lassen mag. Die Übungen seien überwiegend von Münchner Sportwissenschaftlern entwickelt worden. Wenn die Schüler sie künftig Jahr für Jahr wiederholten, zeige das durchaus die Entwicklung der sportlichen Leistungsfähigkeit. Und schädlich seien die Übungen keineswegs.
Die Klagen seiner Kollegen über die Mehrarbeit durch den Test und die Eingabe der Daten ins Internet hält Dieter Ohls für ebenfalls übertrieben. Der Aufwand sei überschaubar. Und neue, zusätzliche Aufgaben würden auch anderen Berufsgruppen abverlangt.
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