Über die bestätigten zwei Erkrankungen hinaus gibt es noch einige Verdachtsfälle. Viele Reisende haben aber andere Infekte als die Schweinegrippe aus dem Urlaub mitgebracht.
Von Ulrich Müller-HeinckWilhelmshaven
In Wilhelmshaven gibt es die ersten Fälle von so genannter Schweinegrippe. Das bestätigte gestern gegenüber dieser Zeitung das Gesundheitsamt der Stadt. Demnach hat sich in zwei voneinander unabhängigen Fällen von Urlaubsrückkehrern die Infizierung mit dem A/H1N1-Virus erwiesen. Bei einer Mallorca-Urlauberin waren die Symptome eine Woche nach der Rückkehr von der spanischen Insel aufgetreten. Die Erkrankten befinden sich derzeit in häuslicher Isolierung, um das Ansteckungsrisiko für Dritte zu minimieren. Neben den bestätigten Erkrankungen gebe es noch einige Verdachtsfälle, die überprüft würden, erklärte Dipl.-Med. Astrid Gäde, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes. In der hiesigen Bevölkerung kursierten Gerüchte über viel mehr Erkrankungen, tatsächlich würden aber auch eine große Anzahl anderer Infektionen aus spanischen Urlaubsregionen mitgebracht, etwa ganz normale Erkältungen.Das Wilhelmshavener Gesundheitsamt erhalte derzeit beinahe täglich neue Anweisungen vom Landesgesundheitsamt. Dass Niedersachsen neben Nordrhein-Westfalen aktuell mit Abstand am stärksten von der Schweinegrippe betroffenen ist, hat seinen Grund nicht zuletzt in den zu Ende gehenden Schulferien, erklärte Gäde. Neben Spanienurlaubern liege ein weiterer Schwerpunkt zum Beispiel bei England-Rückkehrern, darunter Schülergruppen, die an Sprachreisen teilgenommen haben.
Für Panik besteht nach Ansicht von Astrid Gäde aber kein Anlass. Die Krankheitsverläufe seien zumeist mild, anders als zum Teil in Mexiko, insbesondere aufgrund der hier besseren medizinischen und gesundheitshygienischen Randbedingungen.
Erkrankte sollten sieben Tage zu Hause bleiben, Kinder bis zu zehn Tage. Nicht erkrankte Personen, die mit in der Wohnung leben, könnten durchaus weiter zur Arbeit gehen, Ansteckungsgefahr gehe erst von Personen mit Symptomen aus. Hygienische Maßnahmen seien, so Gäde, wichtig, um einer schnellen Ausbreitung des neuen Influenza-Typs entgegenzuwirken. „Wir versprechen uns für den Herbst den neuen Impfstoff, müssen aber sehen, wieviel wir dann davon zur Verfügung haben.“
Von Formen der Selbstimmunisierung durch gewolltes Anstecken, wie sie als so genannte „Schweinegrippe-Partys“ diskutiert werden, rät die Medizinerin ab. Damit habe man schon bei Masern eher schlechte Erfahrungen gemacht. Der Erreger könne dann zudem leichter mutieren und damit gefährlicher werden. Durch kontrollierte Impfaktionen sei man eindeutig besser geschützt.
Das im Thema Schweinegrippe bundesweit federführende Robert-Koch-Institut in Hamburg nennt an erster Stelle der Schutzmaßnahmen das Vermeiden von Händegeben, Anhusten und Anniesen. Wichtig sei das gründliche Händewaschen.
Wer den Verdacht hege, an Schweine-Influenza erkrankt zu sein, solle übrigens nicht einfach bei seinem Hausarzt mit der Tür ins Haus fallen, sondern zuvor anrufen, damit Ansteckungsvorsorge getroffen werden könne, betont Gäde. Im Laufe der kommenden Woche will das städtische Gesundheitsamt Merkblattinformationen des Robert-Koch-Instituts auch auf seine Internetseite stellen, zugänglich über
www.wilhelmshaven.de/Behörden/Gesundheitsamt
