Wilhelmshaven - Es sollte ein Pilotprojekt des Wilhelmshavener Pumpwerks mit der Kulturkirche im Stadtnorden sein, was da als Konzert in der Neuapostolischen Kirche in Fedderwardergroden stattfand.
Und es sei vorweg gesagt: eine bessere Wahl als Janice Harrington, die berühmte „Greatgrandma des Gospels“, hätten die Veranstalter dafür gar nicht finden können.
Vom ersten Ton dieser Stimme – so schwarz wie der Mississippi – an, waren die gut hundert Besucher hingerissen und erlebten eine Art Gospelmesse am Sonntagnachmittag.
Ihre ebenso kraftvolle wie wundervoll modulierte Art des Singens fesselte derartig, dass das Publikum auf den kleinsten Fingerzeig hin im Rhythmus mitklatschte beim stolzen „Talking to the Lord“. Begleitet wurde die Sängerin aus Cleveland, Ohio, die seit 1989 in der Lüneburger Heide lebt, von Ehemann Werner Gütler auf der Posaune und von Amy Portscher am Flügel.
Hatte sie eben noch mit Tommy Dorseys „Take my Hand, prescious Lord“, einem getragenen Trauerlied, beeindruckt, setzte sie mit „Down by the riverside“ voll auf Swing. Dazu erklärte die Sängerin, die schon weltweit Erfolge feierte, wie sie mit Schülern Gospel einstudiert – um genau dies auch mit dem Publikum des Abends zu tun. Das ging begeistert mit und ein zusätzlicher Garant dafür war auch Amy Protscher, die es am Flügel mal rollen, mal den Boogie in die Füße gehen ließ.
Zwischendurch sang Janice Harrington auch im Sitzen und ganz nebenher erklärte sie, dass sie erst vor kurzem einen neuen Herzschrittmacher bekommen habe. Wozu man wissen muss, dass die Künstlerin stolze 81 Jahre alt ist. Und schon wischte sie diesen Eindruck lässig beiseite, indem sie wieder auf ihren pinkfarbenen Highheels tänzelte und mit dem nächsten Klassiker mitriss.
Hatte sie eben mit dem alten Sklavenlied „Sometimes I feel like a motherless child“ bewegt, ließ sie mit „Swing low, sweet Chariot“ einen Klassiker folgen, von dem sie erst einmal erklärte, dass das kein Gospel über den Aufstieg in den Himmel, sondern eine Art Kampflied aus der Sklavenzeit war, denn besungen werde darin jene geheimnisumwitterte „Underground Railroad“, mit der im 19. Jahrhundert auf geheimen Kanälen Schwarzen die Flucht in die liberalen Nordstaaten ermöglicht wurde.
Charmant, immer in Bewegung und mit dieser absolut souveränen Stimme riss sie weiter mit bei „My God is real“, „O happy Day“ und dem einstigen Welthit „He’s got the whole World in his Hands“. Um dann mit einer erneuten Einstudierung zum Finale zu kommen. Diesmal übte sie das poppige „www.god“ von 1999 ein, mit dem man sich per Internet mit Gott austauschen sollte.
Alle machten freudig mit und Janice Harrington holte dazu sogar Priester Gerrit Jung mit auf die Bühne. Und es riss das gesamte Publikum beim letzten Ton zu stehenden Ovationen von den Sitzen. Dafür bedankte sich die große alte Dame nach 90 Minuten ohne Pause mit dem samtweich gesungenen „What a wonderful World“ und berührte noch einmal die Herzen aller, die lauschten.
