Wilhelmshaven - Zwei Menschen sind am Donnerstag bei einem Großbrand an der Ecke Oldebrüggestraße/Rüderstraße ums Leben gekommen: Marcus, 67 Jahre, und sein Sohn Achim, 38 Jahre. Aus Schutz der Privatsphäre der Opfer und ihrer Hinterbliebenen werden die Namen an dieser Stelle geändert. Was genau sich abgespielt hat, ist weiterhin unklar. Die Polizei hat Brandermittlungen aufgenommen, die zuständige Staatsanwaltschaft einen Gutachter damit beauftragt, die Ursache für das tragische Unglück herauszufinden. Sicher ist: Diese Katastrophe hinterlässt in der Familie der Opfer eine große Lücke. Die Frau von Achim hat ihren Ehemann, die beiden Söhne, 17 und 6 Jahre alt, haben ihren Vater verloren. Der älteste Sohn lebte, seit seine Mutter vor etwa drei Jahren nach Dresden zog, bei seinem Vater. Mit Stiefmutter und Halbbruder entstand eine harmonische Patchwork-Familie. Obwohl sich seine Schwester von Achim getrennt habe, sei das Verhältnis weiter freundschaftlich und familiär geblieben. „Für uns ist es ein riesiger Verlust. Unsere gesamte Familie, alle meine Geschwister trauern und haben ihre Hilfe angeboten“, sagt Daniel Matyjaszczyk.
Zur falschen Zeit am falschen Ort
Daniel Matyjaszczyk ist der Onkel mütterlicherseits des 17-Jährigen. Er möchte der Familie seines früheren Schwagers helfen und hat deswegen auf der Crowdfunding-Plattform „Gofundme“ eine Spendenaktion gestartet.
Der Schock sitzt bei den Angehörigen immer noch tief. Wie Matyjaszczyk berichtet, hatte Achim einen freien Tag, wollte nur kurz seinen Vater in dessen Autowerkstatt besuchen. „Wir vermuten, dass Achim vielleicht erst zehn bis zwanzig Minuten vor Ausbruch des Feuers da war. Vielleicht war er auch gerade erst angekommen, als es angefangen hat. Er war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort“, sagt Matyjaszczyk. Als die Angehörigen vom Brand erfahren, versuchen sie ihn noch zu erreichen – ohne Erfolg.
Träume des Vaters für die Kinder ermöglichen
Daniel Matyjaszczyk beschreibt Achim als einen lebensfrohen und hilfsbereiten Menschen, der von seinen Kindern über alles geliebt wurde. Er wollte ihnen viele Träume ermöglichen und hatte große Zukunftspläne. So wechselte er vor wenigen Jahren von seiner Arbeit als KFZ-Mechatroniker zur Marine, um besser für seine Familie sorgen zu können. Die Arbeit auf dem Einsatzgruppenversorger „Bonn“ habe ihm große Freude bereitet und ermöglichte ihm, den Traum vom Eigenheim zu finanzieren.
„Sein Tod trifft uns wie ein Schlag“, sagt Daniel Matyjaszczyk. Jetzt sei es erst einmal wichtig, dass seine Frau und Kinder Hilfe bekommen. Schnell hätten er und seine Lebensgefährtin Janina Michel-Büchner die „Gofundme“-Aktion auf den Weg gebracht. Mit der Spendenkampagne soll ein Sparkonto für die Söhne angelegt werden. Sie müssen jetzt ohne Vater aufwachsen. Mit dem Geld könnte etwa der Weg in die Ausbildung geebnet, der Führerschein finanziert oder die Ausstattung der ersten Wohnung gekauft werden. Dinge, die Achim seinen Kindern ermöglichen wollte, aber nun nicht mehr kann. Das gespendete Geld werde zu 100 Prozent an die Kinder bzw. deren Sorgeberechtigten gehen. Sobald die Kinder 18 Jahre alt sind, sollen sie Zugang zu dem Konto erhalten und selber entscheiden können, was mit der Summe geschieht.
Dank an alle Spender
Schon einen Tag nach Start der Spendenkampagne sind bereits über 6300 Euro zusammengekommen. Auch einige Besatzungsmitglieder der „Bonn“ haben bereits für die Angehörigen ihres verstorbenen Kameraden gespendet, wie der Angehörige erzählt. „Im Namen der Familie bedanke ich mich sehr herzlich bei allen Spendern und bei der Mannschaft der ‘Bonn’. Die Anteilnahme ist überwältigend“, sagt Matyjaszczyk. Er bittet auch Menschen, welche selbst nicht spenden können, wenigstens die Aktion im Netz zu teilen und bekannter zu machen. Jede Aufmerksamkeit helfe.
Die Spendenkampagne ist zu finden unter https://gofund.me/86d746a0
