Wilhelmshaven - Seit Beginn der EU-Mission am Horn von Afrika konnten 1,5 Millionen notleidende Somalier auf dem Seeweg mit Lebensmitteln versorgt werden – darunter 325 000 Kinder. Kein Pirat hat sich an die oft altersschwachen und langsamen Frachter herangetraut.
„Der Schutz dieser Schiffe mit Lebensmittellieferungen bleibt für uns der Hauptauftrag in den kommenden Monaten“, sagt Fregattenkapitän Bernhard Veitl. Der 45-jährige Kommandant wird mit seiner Besatzung wohl einige Frachter auf dem unsicheren Weg begleiten.
Für die Fregatte „Augsburg“ ist es der erste Einsatz bei der Anti-Piraterie-Mission. Das Schiff mit der Kennung „F 213“ am Rumpf wird häufig „Wilde 13“ genannt – in Anspielung auf „Jim Knopf und die wilde 13“ der Augsburger Puppenkiste. Als Dauerleihgabe hängt denn auch die Meerjungfrau „Sursulapitschi“ in der Offiziersmesse. Bernhard Veitl mag das Maskottchen: „Die Meerjungfrau passt auf uns auf.“
Viele Angehörige und das Marinemusikkorps Nordsee verabschiedeten am Montag die Besatzung und ihr Schiff aus dem Heimathafen. Dazu tönten Typhons (Signalhörner) von Hafenliegern über das Wasser. Im ostafrikanischen Dschibut wird dann in 14 Tagen das Schwesterschiff „Karlsruhe“ abgelöst. Auf der „Augsburg“ wird während des Einsatzes keine der rund 230 Kojen frei bleiben. Ein Rechtsberater, ein Boarding-Sicherungsteam und eine Bordfacharztgruppe, ein Militärpfarrer sowie Feldjäger und Sprachmittler sind dabei. Außerdem zwei Bordhubschrauber „Sea Lynx“ mit Personal.
„35 Kriegsschiffe aus vielen Nationen sind derzeit in dem riesigen Seegebiet unterwegs, darunter auch neun Einheiten bei ,Atalanta’“, so Veitl. Der Einsatz ist für Mensch und Material durchaus fordernd: 80 Prozent der Zeit verbringen die Marineeinheiten auf See, das feuchtwarme Klima setzt allen schwer zu.
