Wilhelmshaven/HL Das markante Gesicht ist braun gebrannt, unter der Marinemütze blitzen weißgraue Haare hervor. Patina liegt auf den goldfarbenen Abzeichen. So stellt man sich einen richtigen Seemann vor. Erik Possehl ist fast 32 Jahre zur See gefahren, davon allein rund 27 Jahre auf der „Niedersachsen“ – die er 1982 mit in Dienst gestellt hat. „Schiffe und Boote können – wenn sie denn aus gutem Stahl oder Holz gebaut sind – über 30 Jahre zur See fahren. Dass auch Soldaten diese Zeit erreichen können, hat es bislang kaum gegeben“, sagte Fregattenkapitän Andre Dirks, Kommandant der „Niedersachsen“, schon zu Possehls 30-jährigem Seefahrtsjubiläum.

Mittlerweile hat der 53-Jährige Oberstabsbootsmann knapp 600 000 Seemeilen mit „seinem“ Schiff zurückgelegt – weit mehr als eine Million Kilometer. 13 Kommandanten und 20 Erste Offiziere haben den Portepeeunteroffizier erlebt.

Als Radarmeister hat er auf der „Niedersachsen“ angefangen, sorgte ab 1995 als Hubschrauberleitmeister für sichere Starts und Landungen und fuhr ab 2002 als Waffeneinsatzmeister an Bord.

Jetzt wurde er nach 36 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet, bevor die Fregatte mit dem Einsatz- und Ausbildungsverband der Marine gen Südafrika ausgelaufen ist. Am Sonntagabend genoss Erik Possehl noch ein Abendessen im Kreis ehemaliger Kommandanten. Possehl habe trotz aller Erfahrungen nie den „Altgefahrenen“ ’raushängen lassen, sondern als echtes Vorbild überall großen Eindruck hinterlassen, sagte Fregattenkapitän Dirks. Dass der hervorragende Fachmann als Ausbilder manchmal nicht einfach war, hätten auch junge Offiziere erfahren.

Zum Abschluss war der 53-Jährige Ende 2009 nochmals mit in Plymouth zur Gefechtsausbildung bei der Royal Navy. Und hat dort dem Vernehmen nach wieder alles gegeben: „Mitgekämpft, mitgebangt, mitgehofft und mitgewonnen“, drückte es Andre Dirks aus.


Von Bremerhaven aus will Erik Possehl künftig mit seiner Frau Deutschland kennen lernen: „Ich war noch nie in Berlin oder München, möchte die neuen Länder sehen.“ Sagt einer, der sonst die ganze Welt kennt. Seine Eindrücke wird er gewiss im Bild festhalten; das Hobby Fotografie will er nämlich ausbauen.