Die Zunahme der Einzelhandelsfläche an neuen Standorten geht zulasten der alten Nebenzentren. Hier erzeugen Rat und Verwaltung Leerstände, kritisiert die „Göbi“.
Von Hartmut Siefken
Heppens Die Interessengemeinschaft der Kaufleute in der Gökerstraße und am Bismarckplatz (Göbi) sieht in der geplanten Ansiedlung eines Einkaufszentrums an der Friedenstraße eine weitere Schwächung der bestehenden Einzelhandelsstandorte, insbesondere der traditionellen Nebenzentren wie der Göbi. Jens Eilers meldete sich jetzt für die Interessengemeinschaft zu Wort und fordert, dass Rat und Verwaltung ihre Versprechen, den Bismarckplatz neu zu gestalten und aufzuwerten, einlösten. Die Stadt müsse ihre Verantwortung für die traditionellen Nebenzentren wahrnehmen.
Für den Niedergang des Geschäftsstandortes Gökerstraße/Bismarckplatz könne man im Einzelnen viele Gründe anführen, so Eilers. Sicher müsse man auch individuelle Fehler einzelner Kaufleute für das Scheitern ihrer Geschäfte sehen, doch der Trend zu immer mehr Leerständen habe auch gravierende strukturelle Gründe, an denen der einzelne Kaufmann nichts ändern könne.
Eilers beklagt konkret: „Das ungehemmte Flächenwachstum der letzten 20 Jahre im Wilhelmshavener Einzelhandel trifft auf eine gleichzeitig abnehmende Bevölkerung. Mehr Fläche bei geringerer Zahl an Kunden führt zu einer sinkenden Flächenproduktivität und Leerständen.
Immer neue Einzelhandelsstandorte führen zu einer Dezentralisierung des Einkaufens. Waren es Früher noch kleine Tante-Emma-Läden mit einer reinen Ausrichtung auf den täglichen Bedarf, die die Versorgung der Stadtteile garantierten, sind es heute überwiegend Discounter mit ihren immer wechselnden, dafür aber komplett zentrenrelevanten Nebensortimenten. Auch wurden die SB-Warenhäuser nicht in den bestehenden Zentren angesiedelt, sondern es wurden diese neuen Standorte der Discounter und Vollsortimenter dann zu eigenen Grundversorgungszentren, die Kaufkraft und Frequenz aus den bestehenden Zentren abziehen.
Eng damit verbunden ist das Problem eines starken Anwachsens der ,grünen Wiese‘. Die hier entstandenen Angebotsstrukturen greifen besonders in viele Sortimente ein, die früher in den Stadtteilzentren zu finden waren. Die entsprechenden Geschäfte hatten in aller Regel keine Chance gegen die größeren Unternehmen, die sich auf billigen Grundstücken mit vielen Parkplätzen ansiedelten und deren Personalstruktur weniger auf Beratung angelegt und deutlich günstiger ist.
Ein besonderes Problem für die Göbi war die Verlängerung über den Mühlenweg hinaus. Die Ansiedlung eines neuen Grundzentrums in direkter Verlängerung des bestehenden Zentrums führte zu einer Schwächung bestehender Strukturen und gefährdet bis heute die Verbindung zwischen Bismarckplatz und Mühlenweg.“
Die so begründete Unsicherheit führe, so Eilers, zu einer Zurückhaltung bei den Investitionen in der Kaufleute Göbi, die für einen langfristigen Erhalt der Geschäfte nötig wären. Zudem werde es zunehmend schwerer, geeignete Nachfolger für abzugebende Geschäfte zu finden.
Eilers kritisiert, dass die Stadt den Göbi-Bereich immer weniger pflege und zukunftsweisende Investitionen unterlasse. Das Ergebnis sei ein verwahrlostes Straßenbild mit unregelmäßiger Pflasterung, ungepflegten Grünanlagen und hoher Verschmutzung, „gegen die auch die Aufsammelversuche der Anrainer chancenlos bleiben.“
Obwohl relativ viele Menschen in unmittelbarer Nähe der Göbi lebten, müsse man die Struktur der Einwohnerschaft genauer betrachten. Diese habe sich in den vergangenen Jahren verändert – „nicht unbedingt zum Vorteil des ansässigen Einzelhandels.“
