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Erinnerungen an Kult-Disko „Casa“-Familie schwelgt zur Musik in Erinnerungen

Henning Karasch
Bei der „Casa“-Party im Wilhelmshavener Pumpwerk (v.l.): Petra Rogoll, Astrid Szillo und Gabi Peters.

Bei der „Casa“-Party im Wilhelmshavener Pumpwerk (v.l.): Petra Rogoll, Astrid Szillo und Gabi Peters.

Henning Karasch

Wilhelmshaven - Der Wettergott meinte es nicht gut mit der zweiten „Casablanca Revival Party“. Statt im Sonnenschein in Erinnerungen zu schwelgen, wie bei der ersten Auflage der Nostalgiefeier im vergangenen Jahr, fiel jetzt beständig Regen. „Mit dem Wetter muss man leben“, meinte Stefan Becker gelassen. Mit Norbert Hechler und der K&K Gastronomie hatte er die Party organisiert. „Vielleicht hält das Wetter die Gäste ab, früh zu erscheinen“, fügte Stefan Becker angesichts des sich nur langsam füllenden Saals im Pumpwerk an. Der für draußen geplante Auftritt der „Blue Tales“, Rolf Buers und Sebastian Schmalz, musste natürlich ins Innere verlegt werden. Vielleicht wechselt das Wetter von Jahr zu Jahr mit Sonne und Regen ab – man mag es der Party wünschen.

In Erinnerungen schwelgen

Der Vollblutmusiker Rolf Buers sang unter anderem „Streets of Philadelphia“ und kam dem Original von Bruce Springsteen auch stimmlich sehr nah. „Ich habe eine Kamera mit und gucke, wer applaudiert“, war seine augenzwinkernde Warnung. Anschließend sollten ebenso legendäre Diskjockeys der guten alten Casablanca-Zeiten auflegen. „Dazu konnten wir einen Licht-DJ verpflichten, der ein grandioses Lichtspektakel abfeuern wird“, kündigte Stefan Becker keinen Geringeren als Michael Diers an, der neben seiner Tätigkeit als Chef der Wilhelmshaven Touristik und Freizeit (WTF) auch als DJ einen Namen hat.

Der Abend diente nicht nur, aber auch zum Rückblick auf vergangene Zeiten. „Ich war in den 80ern oft im Casa, aber kein Stammgast“, erzählte Astrid Szillo, die mit ihren Freundinnen Petra Rogoll und Gabi Peters erschienen war. „Es war immer gut besucht, auch von Jüngeren, die das Casa als letzte Station des Abends nahmen. Am liebsten habe ich zu Musik von Status Quo getanzt“, fuhr Astrid Szillo fort. Das Casablanca habe gefehlt, als es zumachte, wie es überhaupt leider wenige Musikkneipen gebe, fügte Petra Rogoll an.

Wie eine große Familie

Auf die Frage, was denn außer Erinnerungen vom Casablanca geblieben sei, wies Norbert Hechler auf das große Namensschild hin, das die Bühne dominierte. „Die übrigen Sachen haben wir an Stammgäste verschenkt, die waren darauf ganz scharf“, fuhr der Gastronom fort. Ein paar Banner von Casa- und WiVa-Partys (Wilhelmshavener Veranstaltungsagentur) nutze er, wenn in seinen beiden Kneipen in Voslapp oder im VfL-Heim Casa-Partys steigen. Dort feiern dann 200 bis 250 Gäste, im Pumpwerk wurden über 800 Leute erwartet.

„Ich bin immer spät hingegangen. Wir hatten wenig Geld und haben daher zuhause vorgetrunken“, kramte Olli Jacobs in Erinnerungen. Seine „Casa-Hauptzeit“ waren die 90er und 2000er, „von 20 bis 70 Jahre waren alle vertreten“. Nun hoffte er, im Verlauf des Abends Kumpels von damals zu treffen. Während Andrea Jacobs höchstens zehnmal das Casablanca besuchte, „weil man von F’groden nicht so oft in die Stadt fährt“, hob Thomas Goldmann das Flair hervor, „wie eine große Familie, nie gab es Theater“. Vielleicht lag es an der Musikauswahl, die weder Techno noch Hardrock bediente - „Auf Wunsch eventuell mal AC/DC“, wie Stefan Becker hinzufügte.

Im Mai 2019 war Schluss

Das frühere Tanzcafé „Elisenlust“ an der Gökerstraße war bereits 1911 als Konzert- und Ballhaus eröffnet worden. Monika Kirchner und ihr damaliger Ehemann hatten das Gebäude 1970 erworben und mit einem Umbau und später mit einem Anbau wieder in Schwung gebracht. Seit 1984 heißt das Lokal „Casablanca“. Ende Mai 2019 wurde an zwei Abenden mit insgesamt rund 1400 Gästen Abschied gefeiert, dann schloss diese Wilhelmshavener Institution für immer ihre Pforten. Das alte Gebäude wurde abgerissen und heute steht dort ein modernes Wohnhaus.

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