Wilhelmshaven - Im Beisein von Vertretern des Rates und der Verwaltung weihte Oberbürgermeister Carsten Feist am Montag die Bremer Straße als Fahrradstraße offiziell ein. Im Verlauf des Tages wurden die restlichen Hinweisschilder enthüllt, die die Straße als Fahrradstraße ausweisen. Damit treten das Park- und abschnittsweise durch Schilder ausgewiesene absolute Halteverbot in der Straße in Kraft, das Autofahrer bis jetzt noch ohne Einschreiten des Ordnungsamtes missachtet haben. Das Ende der Schonfrist ist allerdings absehbar, hieß es am Montag.

Zur offiziellen Einweihung traf man sich am östlichen Ende der Bremer Straße an der Kreuzung mit dem Parkmittelweg. Fast drei Kilometer erstreckt sich die neue Fahrradstraße bis zur Genossenschaftsstraße. Hier haben jetzt Radfahrer Vorrang, Autofahrer müssen sich dem Radverkehr und seiner Geschwindigkeit anpassen, zudem dürfen Radfahrer auch nebeneinander fahren. „Autofahrer sind auf der Bremer Straße nur Gast“, sagte André Lachmund, Klimaschutzmanager der Stadt.

Nichtsdestoweniger werde den Autofahrern nichts weggenommen, betonte Feist. Autofahrer gehörten auf die parallel verlaufende Peterstraße beziehungsweise Bismarckstraße. Der Wegfall von Parkplätzen an der Bremer Straße sei verkraftbar, es gebe genug Ausweichmöglichkeiten, so der Verwaltungschef. Die Herstellung der Bremer Straße zur Fahrradstraße habe etwas über eine Million Euro gekostet, sagte der OB. Damit habe man die Kostenplanung fast punktgenau eingehalten, obwohl mehr neuer Asphalt als geplant gegossen und mehr Schilder als geplant aufgestellt werden mussten.

Das gilt jetzt

Vorfahrtsregeln wurden geändert: Die Radfahrer auf der Bremer Straße haben bis auf vier Ausnahmen auf der Strecke und an den beiden Endpunkten Vorfahrt. Die Ausnahmen sind die Grenzstraße (Ampelkreuzung), Schillerstraße, Werftstraße und der Banter Weg. An der Kreuzung mit dem Parkmittelweg gilt rechts vor links, ebenso am Endpunkt Genossenschaftsstraße, die als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen ist.

Rote Markierungen machen den Verkehrsteilnehmern deutlich, dass es sich bei der Bremer Straße um eine Fahrradstraße handelt und die Radler Vorrang haben. Dies gilt im Besonderen auch für die Aufstellflächen an der Ampelkreuzung mit der Grenzstraße, wo die Autofahrer den Radlern den Vortritt lassen müssen.

Weiße Markierungen, die einen halben Meter vom Fahrbahnrand aufgebracht sind, sollen die Fahrbahn optisch verschmälern und deshalb Autofahrer zu einer langsameren Fahrweise veranlassen. Sie markieren aber auch den Sicherheitsabstand, den Radfahrer zum Fahrbahnrand einhalten sollten, und zwar insbesondere dort, wo Autos neben der Fahrbahn parken. Denn von unachtsam geöffneten Wagentüren gehen Gefahren aus.

Schilder an den Kreuzungen weisen auf den Beginn der Fahrradstraße hin. Park- und Halteverbotsschilder wurden aufgestellt. Der Radverkehr soll ungehindert fließen können, parkende Autos wären Gefahrstellen, insbesondere im Begegnungsverkehr.

Der Übergang über den Banter Weg mit der Fußgängerbedarfsampel konnte für die Radler nicht optimiert werden. Hierfür reichte das Geld nicht.

Möglich wurde die Investition durch Fördergelder des Bundes, der 90 Prozent der Kosten übernimmt. Die Bremer Straße ist Teil des Bundeswehr-Radwegenetzes und verbinde das Marinearsenal mit der Kaserne Ebkeriege, erläuterte Stadtbaurat Niksa Marusic. „Wilhelmshaven hat sich mit diesem Projekt im Wettbewerb mit vielen anderen Städten durchsetzen können. Der Topf war deutlich überzeichnet“, so Marusic.

Die Stadt habe in diesem Jahr insgesamt rund 3,4 Millionen Euro für die Verbesserung des Radverkehrs ausgegeben; wie bei der Bremer Straße im Wesentlichen finanziert durch Fördergelder. So ist die Kirchreihe als Radfahrstrecke über die Schaarreihe hinaus verlängert worden. Es gibt eine durchgehende Verbindung von der Schellingstraße bis zur Hooksieler Landstraße.

Auch im kommenden Jahr plant die Stadt Investitionen in Höhe von 3,5 Millionen Euro für den Radverkehr. So soll der Radweg an der Maade entlang zwischen Ostfriesenstraße und Freiligrathstraße durchgebaut, der Lubbeweg, Tidoweg und Schubertring zur Fahrradstraße ausgebaut werden.


Beim Ortstermin am Montag begrüßten Ratsvorsitzender Stefan Becker (Win@WBV) und Detlef Schön (SPD), Vorsitzender des Planungsausschusses, dass es beim Radwegebau vorangeht. Schön mahnte allerdings von der Verwaltung ein erneuertes Gesamtkonzept für den Radverkehr an. Das derzeit gültige stammt aus dem Jahr 2009. Becker bedauerte, dass die Stadt für die übrige Straßenunterhaltung zu wenig Geld habe. Andreas Tönjes (Gruppe „Die Bunten“) sieht in der Radfahrstraße einen „Baustein für klimafreundliche Mobilität“.