Im Dezember ist die Inflationsrate auf über fünf Prozent geklettert, die Teuerung trifft vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen. Spürt die Sparkasse etwas davon?

Holger SothmannInflation ist sozial ungerecht. Die Teuerung beim Lebensunterhalt und bei den Energiekosten trifft vor allem diejenigen besonders, die ihre Einkünfte zum großen Teil darauf verwenden müssen.

Stellen Sie dann einen höheren Kreditbedarf, beispielsweise bei Überziehungskrediten, fest?

SothmannDas ist zum Glück noch nicht passiert, von Einzelfällen mal abgesehen. Aber die Inflation betrifft nicht nur das Kreditgeschäft.

Sondern?

SothmannInflation entwertet schleichend die Geldvermögen. Wer unter den aktuellen Bedingungen Geld zur Seite legt, kann sich bei vielen Anlageformen morgen weniger davon kaufen. Und was die Verschuldung betrifft: Eine solche Entwicklung wirkt sich erst später auf ein Kreditinstitut wie unseres aus. Früher merken es beispielsweise die Energieversorger, wenn Rechnungen nicht bezahlt werden können, oder die Anbieter von Online-Shopping-Plattformen. Fazit für uns: Im privaten Verschuldungsbereich haben wir bisher keine signifikanten Veränderungen feststellen können.

Viele Experten sagen, mit einer Abkehr von ihrer Nullzinspolitik könnte die Europäische Zentralbank etwas gegen die Inflation tun…

SothmannWas wohl derzeit nicht passieren wird. Die EZB geht von einem kurzen Inflationsschub aus. Die Bundesbank und viele renommierte Experten sehen das anders.

Also bleiben die Zinsen wohl vorerst niedrig. Ein Institut wie die Sparkasse ist doch ein Indikator dafür, wie es einer Region geht. Wie war denn aus Ihrer Sicht in der Niedrigzinsphase das Jahr 2021 für Wilhelmshaven und umzu?

SothmannDie Nachfrage nach Krediten für Immobilien im privaten und gewerblichen Bereich war sehr hoch. Das war ein Niveau, wie wir es in Wilhelmshaven seit vielen, vielen Jahren nicht gesehen haben.

Was passiert denn dann mit diesen Mitteln?

SothmannWilhelmshaven hat einen sehr großen Nachholbedarf bei der Sanierung von Bestandsimmobilien. In dem Bereich geht es voran, auch bei der Schaffung von neuem Wohnraum. Ich gehe davon aus, dass sich das in diesem Jahr fortsetzen wird. In dieser Hinsicht ist die Niedrigzinsphase ein Segen.

Das klingt, als würde die Stadt gerade einen richtigen Investitionsschub erleben.

SothmannStimmt. Wir befinden uns derzeit in einer sehr wichtigen Phase für die Stadt. Da wir alle nicht abschätzen können wie es mit der Zinsentwicklung weitergeht, müssen wir unbedingt diese große Chance nutzen.

Ist die Stadt denn dynamisch genug für einen solchen Aufbruch?

SothmannDer gute Wille ist überall da. Wir werden unseren Beitrag als Finanzier, Projektentwickler und Ideengeber leisten.