In der Insolvenzstatistik belegt Wilhelmshaven Platz drei im Land. Friesland rangiert im Mittelfeld.
Von Ulrich Müller-HeinckWilhelmshaven/Friesland
Weniger finanzielle Schieflagen für Firmen und Private: Die Zahl der Insolvenzen in Niedersachsen ist im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2007 leicht um 2,5 Prozent zurückgegangen, teilt der Landesbetrieb für Statistik mit. Insgesamt wurden den Gerichten 19 683 Fälle gemeldet, darunter 2333 Unternehmen einschließlich Kleingewerbe, 3632 ehemals selbstständig Tätige und 13 299 Verbraucher sowie 160 sonstige unternehmerisch tätige Personen.In Wilhelmshaven notierten die Amtsgerichte 304 Verfahren, 24 davon wurden allerdings mangels Masse abgewiesen. 2007 waren es noch 357 Verfahren gewesen. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl rangiert die Stadt mit der Insolvenzhäufigkeit jetzt an dritter Stelle im Lande, hinter Helmstedt, dessen Insolvenzen um mehr als ein Drittel zulegten, und Delmenhorst.
Friesland hält sich mit 274 Insolvenzverfahren, darunter zwölf abgelehnte, etwas oberhalb des statistischen Mittelfelds. Hier meldeten die Amtsgerichte ein Jahr zuvor 292 Verfahren.
Positiv die Entwicklung in Stadt und Landkreis bei den Unternehmensinsolvenzen, die jeweils um zwei zurückgingen (Wilhelmshaven 21, Friesland 25). Das ist deutlich unter Landesdurchschnitt, wo die Schwerpunkte in Celle, Goslar, Osnabrück und Hildesheim auszumachen waren.
Die durchschnittliche Forderungshöhe an die Schuldner je Insolvenzfall belief sich in Wilhelmshaven auf 475 000 Euro, in Friesland auf 353 000 Euro. Betroffen waren in der Stadt 34, im Kreis 112 Beschäftigte.
Wie im Land, so traf es in der Stadt und im Landkreis an erster Stelle das Kraftfahrzeuggewerbe. Neun Insolvenzverfahren in Wilhelmshaven (2007: zwei), vier davon mangels Masse nicht durchgeführt, Gläubigerforderungen knapp 7 Millonen Euro. In Friesland beutelte es sechs Vertreter dieser Branche, (2007 allerdings sogar neun), mit fast 3 Millionen Euro Forderungssumme.
Weniger stark als in anderen Bereichen Niedersachsens erwischte es das Baugewerbe der Region. Hier verzeichnete man in Wilhelmshaven und Friesland zusammen nur drei Insolvenzen. Auf Landesebene waren es 467.
Mit 67 Insolvenzverfahren von ehemals Selbstständigen fand sich Wilhelmshaven in Relation zur Einwohnerzahl an oberster Stelle in Niedersachsen (81,5 pro 100 000). Gesamtforderungshöhe: knapp 11 Millionen Euro, durchschnittlich pro Fall 160 000 Euro. Gleichauf folgen Oldenburg und Delmenhorst dicht dahinter. Friesland brachte es auf 74 Fälle und 8,5 Millionen Euro Forderungen. Durchschnittlich gab es in Niedersachsen pro 100 000 Einwohner 45 solcher Fälle.
Die privaten Verbraucherinsolvenzen sind landesweit seit Einführung der Insolvenzordnung 1999 erstmals zurückgegangen (minus 2,4 Prozent), in Wilhelmshaven gar um 20 Prozent, von 259 auf 209. Im Schnitt ging es um Schulden von 35 000 Euro. Friesland meldete 169 Fälle (2007: 196), Verschuldung 40 000 Euro. Die mit Abstand höchsten durchschnittlichen privaten Schulden notierte man mit 98 000 Euro pro Fall in Lüchow-Dannenberg und 92 000 Euro in Harburg.
