Wilhelmshaven - Gleicher Lohn für gleiche Arbeit muss Normalität sein, das forderte Wilhelmshavens Bürgermeister Holger Barkowsky in der Veranstaltung zum Internationalen Frauentag im Ratssaal Wilhelmshaven.

Studien belegten, dass 70 Prozent aller Armen und zwei Drittel der Analphabeten Frauen seien. Frauen erledigten 66 Prozent der Arbeit, hätten aber nur zehn Prozent des Einkommens und ein Prozent des Vermögens, sagte der Bürgermeister.

Barkowsky äußerte sich auch zu Frauen in Führungspositionen. „Wir werden begreifen müssen, dass Quoten vonnöten sind, wenn auf der Basis der Freiwilligkeit nichts passiert.“

Gewerkschaftssekretärin Dorothé Jürgensen nannte „Fachkräftemangel – können wir Frauen davon profitieren?“ eine „spannende“ Frage. Wie könne von Facharbeitermangel gesprochen werden, wenn in Deutschland der Anteil der Vollzeitbeschäftigten rückläufig ist, bei Männern wie bei Frauen. Zum Mangel an Facharbeitern passten auch nicht die geringen Zahlen der abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Sie bestreite nicht, dass es in einigen Bereichen „höheren Bedarf an gut ausgebildeten Kräften gibt“. Stellte aber auch die Frage, ob nicht Mangel mit schlechtem Image der Berufe und schlechter Bezahlung zusammenhänge.

Laut Unternehmen sei für den zitierten Fachkräftemangel der demografische Wandel schuld. Frauen sollten sich keine Hoffnung machen. Wirkliche Chancen für Frauen durch Facharbeitermangel sehe sie nicht. So lange man sich erlaube, gut ausgebildete Frauen schlechter zu bezahlen und sie in Minijobs zu drängen, so lange man zu wenige bezahlbare Kita-Plätze vorhalte, könne man von guten Bedingungen für Frauen nicht sprechen. Und: Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt 22 Prozent weniger als Männer.


Quasi einen Gegenentwurf zur Gewerkschafterin stellte Markus Bulla vor, Direktor Personalmanagement der Sparkasse Wilhelmshaven. Das als familienfreundliches Unternehmen zertifizierte Kreditinstitut achte darauf, dass Mütter nach der Geburt ihrer Kinder auf dem Laufenden bleiben, um wieder Vollzeit integriert werden zu können. Auch werde versucht, zusammen mit der Hochschule Kinderbetreuung anzubieten.

Wie wichtig – für Frauen wie für Männer – eine gutes Betriebsklima ist, das hatte Ellen Seehausen eingangs am Beispiel einer Unternehmerin aus dem Handwerk dargelegt, die zum Thema „Fachkräftemangel“ erklärte, sie rede nicht von etwas „von dem ich nichts verstehe“. Seehausen: „Ich hatte den Eindruck, mit jemanden zu sprechen, der ein gut geführtes Unternehmen hat.“