Heppens
Wäre der alte Zellentrakt nicht bereits saniert und die Werkhalle im großen Hof gerade errichtet gewesen, hätte die zerstörerische Gasexplosion im Verwaltungstrakt vor drei Jahren wohl das Ende für das Gefängnis am Ölhafendamm bedeutet. Doch im Zusammenhang mit der Schließung des Untersuchungsgefängnisses an der Gerichtsstraße, aus dem zuvor zwölf Untersuchungshäftlinge ausgebrochen waren, bekam das alte Gemäuer am Ölhafendamm nach einem schwierigen Entscheidungsprozess eine zweite Chance.Nicht zuletzt auch deshalb, so Dr. Monica Steinhilper, Abteilungsleiterin Justizvollzug im Niedersächsischen Justizministerium, weil die niedersächsischen Gefängnisse so „ausgebucht“ wie seit 35 Jahren nicht mehr seien und zu befürchten sei, dass der Platzbedarf eher noch wachse.
Rolf Zumbrink, Vollzugsleiter im Gefängnis am Ölhafendamm, erinnerte an die Vorgeschichte: Ein Häftling, der es als Freigänger nicht mehr lang bis zu seiner Entlassung hatte, führte an einem Septemberabend 2002 aus familiärem Kummer die Gasexplosion im Keller des Gebäudes herbei, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Er hatte sich in der Wäscherei verschanzt, an einer Gasleitung manipuliert und schließlich den zerstörerischen Funken gezündet. Polizei und Feuerwehr hatten die Umgebung bereits abgesperrt. Zwei Polizisten und fünf Justizangestellte, die den Mann im Keller zur Aufgabe bewegen wollten, wurden bei der Explosion zum Teil schwer verletzt. Der Häftling selbst erlitt schwere Brandverletzungen und muss jetzt zusätzliche sechs Jahre „absitzen“.
Die Haftbedingungen sind nach Abschluss aller Arbeiten besser als je zuvor. „Das Gefängnis ist das schönste Gebäude am Ölhafendamm“, meinte Gerd Koop, Leiter der Justizvollzugsanstalt Oldenburg, von wo aus die „Filialen“ Wilhelmshaven, Delmenhorst, Nordenham, Cuxhaven und die zweite Anstalt in Oldenburg verwaltet werden. Der Umbau des Gebäudes wie der Verwaltungsstrukturen habe den Justizvollzugsangestellten in den vergangenen beiden Jahren viel abverlangt. Koop dankte den Bediensteten mit Blumen.
Der Anstaltsleiter hob hervor, dass das Wilhelmshavener Gefängnis, in dem 104 Männer als Freigänger einsitzen, das „umsatzstärkste“ in Niedersachsen sei. Trotz der schwierigen Arbeitsmarktlage in Wilhelmshaven herrsche unter den Insassen Vollbeschäftigung. Sie arbeiten außerhalb in Betrieben oder in der neuen Gefängnis-Werkstatt. Ausdrücklich dankte Koop dem Architekten Gerd Christoffers vom Staatlichen Baumanagement Wilhelmshaven, der alle Probleme der komplizierten Baumaßnahme beherzt angegangen sei.
