Fedderwarden - Der Flötenspieler Salentin muss sein Instrument an die Flammen in seinem Feuerkorb halten. Draußen ist es so kalt, dass der Messingflöte ohne die Wärme kein Ton zu entlocken wäre. Und das wäre schade, denn der Flötenspieler bringt schönste Klänge zu Tage, die aus der irischen Volksmusik stammen und wunderbar in die Atmosphäre des Stephanusmarktes passen. Der wurde am Wochenende in Fedderwarden gefeiert. Dort versammelten sich viele Freunde des Mittelalters, um einmal einen Weihnachtsmarkt der ganz anderen Art zu feiern.

Statt Glühwein bot die Taverne „Anno 1300“, die ihren Sitz normalerweise in der Südstadt hat, warmen Honigwein an. In einer Bräterei gab es Gedrehtes im Darm sowie gepresstes Schabefleisch – oder auch Bratwurst und Frikadellen. Hackbraten sei ein typisches Gericht aus dem Mittelalter, erklärte Mormo vom Tavernenpark alias Mirco Husmann, Betreiber des „Anno“ sowie Organisator des Marktes. „Damals allerdings nicht in so fester Form wie heute, man hatte nämlich häufig keine Zähne“, sagt er.

Zu Beginn des Marktes hatte Pastor Klaus Lemke-Paetznick die Gäste mit einer eindruckswollen Rede begrüßt. Seine Begeisterung für das Mittelalter war ansteckend. Dazu verhalf auch der Herzog von Falkenstedt, der als Ehrengast des Marktes einige Worte sprach. Später bekamen die Besucher allerdings auch noch seine Härte zu spüren, denn bei einer Gerichtsverhandlung verurteilte er den einen oder anderen zu verschiedensten Strafen – so zum Beispiel wegen Vielweiberei. Und auch die Berichterstatter der WZ kamen nicht ungeschoren davon: Zehn Vaterunser und sechs Gottesdienstbesuche in den kommenden sechs Monaten wegen Seelenraubs (Fotografieren) lautete das Urteil des Herzogs.

Gegen die Kälte schützten sich die Menschen im Heerlager, das im Garten das Pfarrhauses aufgebaut war, mit mehreren Lagen Kleider. So zum Beispiel mit Mützen, Handschuhe und Umhängen der Nadelbinderin Sophia. Sie beherrscht noch dieses Handwerk, das etwa aus dem 12. Jahrhundert stammt. Es ist ein Vorläufer des Strickens und Häkelns. Mit Hilfe einer Knochen- oder Holznadel wird die Wolle miteinander verknüpft.

Das Heerlager war bevölkert von der Mittelaltergruppe „Clava Viatoris“ aus Wilhelmshaven sowie dem Wikingerlager „Stillir Flutana“ aus Emden. In Zelten zeigten sie, wie das Leben im Mittelalter aussah und boten Waren an wie Rohhautlampen oder Gesellschaftsspiele aus Holz.


Es war etwas Besonderes, was die Besucher des Stephanusmarktes zu sehen bekamen. Gekrönt wurde das Spektakel von einer Feuershow, Tänzen und zwei Konzerten. Unter anderem erklang ein „gar merkwürdiges Instrument“ – auch Dudelsack genannt. Alles in allem gab dieser Markt jede Menge Anlass zu „Jubel, Jubel, Jubel“.