Von Walburg Dittrich
Himmelreich-Coldewei
„Finger weg!“ schreit Lena so laut sie kann und haut mit aller Kraft auf die Hand der erwachsenen Frau, die ihren Oberschenkel umklammert hält. Dafür bekommt sie, man höre und staune, ein Lob von der Erwachsenen und Applaus von den anderen Kindern. „Gut gemacht“ lobt Doris Niespor.Sie ist Trainerin der chinesischen Kampfkunst „Wing Tsun“, hat selbst drei Kinder und übt mit den Kindern des Kindergartens Coldewei Selbstbehauptung. Spielerisch lernen die Kinder selbstbewusstes Auftreten in gefährlichen und angsteinflößenden Situationen und ein gewaltfreies Miteinander.
Ein Vorfall in der nahen Klinkerstraße rückte das Thema „Gewalt an Kindern“ erneut in den Blickwinkel besorgter Eltern.
Renate Borgwardt, Leiterin des Kindergartens Coldewei, griff dieses „leider immer wieder aktuelle Thema“ als Rahmenprogramm für die Arbeit mit den Kindern auf.
Gemeinsam mit den Eltern und ihren beiden Mitarbeiterinnen Nadja Mannsbarth und Christina Simmering, nahm sie Kontakt zur Kampfkunstschule von Volker Niespor auf und organisierte für „ihre Kinder“ einen Minikurs Selbstbehauptung über vier Mal eine Stunde.
Im leergeräumten Wohnzimmer des sehr familiären Kindergartens üben jetzt die Kleinen die „Autosituation“. Wie in einem Auto sitzt Doris Niespor auf einem Hocker und spricht die Kinder an: „Hallo du, ich hab ein kleines Kätzchen zu Hause, willst du das mal sehen?“ Laut und deutlich sagt der sechsjährige Darian „Nö“ und hält genügend Abstand zum „Auto“. Die dreijährige Shannon hingegen tappt mit offenen Armen und leuchtenden Augen in die „Falle“.
Die Erzieherinnen dürfen nicht eingreifen, beim Zusehen aber lernen sie selbst eine ganze Menge für die weitere Arbeit mit den Kindern.
Die Lieder, Spiele und Tänze der nächsten Wochen stehen unter dem Leitgedanken „Hab ich Mut wird alles gut!“ und heißen „Kinder-Mutmachlied“, „Das große und das kleine Nein“ oder „Das Wutlied“. In ihnen wird das Selbstvertrauen weiter thematisiert und vertieft.
„Halt“ schreit Lara mit grimmigem Gesichtsausdruck. Ihre abwehrende Handhaltung zeigt der angreifenden Doris Niespor unmissverständlich: „Bis hierhin und nicht weiter!“
Alle Achtung!
