Wilhelmshaven - 65 Jahre ist es her, dass die Klasse 10A der Kaiserin-Augusta-Viktoria-Schule, die Wilhelmshavener Mittelschule für Mädchen, ihren Schulabschluss machten – im Jahr 1958. Und obwohl es die Frauen über die ganze Erdkugel verstreut hat, schaffen sie es immer wieder, sich zum Plauschen zu treffen. Bei früheren Klassentreffen gab es auch Programm, bei ihrem jetzt zehnten Treffen bleibt es bei Kaffee und Kuchen. Noch neun der damals 33 Schülerinnen konnten kommen. An ihre Klassenkameradinnen erinnern sie sich gern zurück: „Wir waren die Klasse mit den vielen Karins – zehn Stück hatten wir“, erinnern sie sich bei einer gemütlichen Runde im Hotel Seenelke.
Dass sich die Frauen nicht aus den Augen verlieren, ist in erster Linie Hildburg Meiners zu verdanken. Sie hält den Kontakt, sammelt Erinnerungen und trommelt ihre ehemaligen Klassenkameradinnen immer wieder zusammen, obwohl sie selbst inzwischen in München lebt. Die Treffen fanden aber nicht immer in Wilhelmshaven statt: neben Zusammenkünften in Hannover und Bremen trafen sich die Frauen 2004, 45 Jahre nach ihrem Abschluss, bei Hilka Heuer, die inzwischen auf Ibiza lebt. Gemeinsam mit ihrem Mann eröffnete sie dort vor vielen Jahren unter anderem eine Tauchschule.
Wenn die neun Frauen an ihre Schulzeit zurückdenken, fällt ihnen vor allem eines ein: Früher hatten sie vor ihren Lehrerinnen unheimlichen Respekt, viele sogar Angst. „Wenn die Lehrerin in der Tür erschien, war sofort Ruhe und alle standen auf“, erinnern sie sich. Bis sie eines Tages einen jungen Lehrer bekamen. „Er war 27, ein Nachkriegskind, und wir waren renitente kleine Mädchen“, erzählen sie lachend. Den jungen Mann hätten sie ordentlich geärgert, ihn heimlich mit Kletten beworfen; insgeheim seien aber einige Schülerinnen verrückt nach ihm gewesen. Übel genommen habe er es ihnen wohl nicht, denn beim Abschlussfest haben sie alle mit ihm getanzt.
So schelmisch die Mädchen damals auch gewesen sein mögen, so liebenswürdig waren sie wohl auch. Denn auch 46 Jahre nach ihrem Abschluss lud ihre damalige Lehrerin Frau Koch sie noch zu ihrem 97. Geburtstag ins Seniorenheim ein. „Nur uns, wir waren ihre Lieblinge.“
Aber auch weniger schöne Erinnerungen teilen die Frauen. Damals kostete die Schule Geld, 30 Mark. Und auch die Bücher mussten sie kaufen. Eine Mitschülerin konnte sich das damals nicht leisten und wurde mit den Worten „Dann sind Sie auch kein Kind für die Mittelschule“ der Schule verwiesen. Auch an die Quäkerspeisung erinnern sie sich. Milch und Kakao bekamen die Mädchen als humanitäre Hilfe nach dem Krieg. „Deswegen sind wir so kräftig“, lachen sie.
Im nächsten Jahr möchte sich der Abschlussjahrgang ‘58 der Mittelschule für Mädchen wieder treffen, in Erinnerungen schwelgen und Neu-Erlebtes erzählen. Denn das gibt es nach dann 66 Jahren genug.
