Wilhelmshaven - Die Arbeiten zur Tiefgründung für den Neubau des Klinikums Wilhelmshaven laufen auf vollen Touren. Damit überhaupt jeder der insgesamt 911 Stahlbetonpfähle im Boden versenkt werden kann, muss parallel noch etwas auf vollen Touren laufen: Das Grundwasser, das die Firma Christoffers aus Wiefelstede kontinuierlich in großer Menge abpumpt. Da kommen schnell mal mehr als 100.000 Liter zusammen, die wohlgemerkt in jeder Stunde (!) abgepumpt werden müssen, damit die riesige Baugrube an der Friedrich-Paffrath-Straße nicht beim Bohren voller Grundwasser läuft.
Selbst für erfahrene Wasserexperten wie Ingo Bennen stellen die Anforderungen dieser Großbaustelle eine Herkulesaufgabe dar. Der Diplom-Ingenieur (FH) ist Niederlassungsleiter der Christoffers GmbH. „Der Neubau für das Klinikum ist eine sehr komplexe Baustelle an sich“, sagt der 52-Jährige beim Gang über das Gelände.
Grundwasserpegel absenken
„Unser Unternehmen hat seine Anfänge in der landwirtschaftlichen Drainage und hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf Aufträge im Bereich der Wasserhaltung spezialisiert. Diese Großbaustelle fordert nahezu die gesamte Bandbreite unserer heutigen Leistungen“, sagt Bennen.
Das fing in Wilhelmshaven damit an, dass die Mitarbeitenden von Christoffers schon eine erste Drainage in den Boden eingefräst haben, um den Grundwasserspiegel abzusenken, damit der Tiefbauer eine Spundwand rund um die Baugrube in den Boden einrammen konnte. Danach konnten die Arbeiten zur Tiefgründung starten. Mit bis zu vier Großgeräten bohren die Spezialisten der Firma Berger Grundbautechnik bis zu 30 Meter tiefe Löcher ins Erdreich, um darin später die Stahlbetonpfähle zu setzen, die den Neubau tragen werden.
Im Zuge der Bohrarbeiten musste ein zweites Grundwasservorkommen (ein sogenannter Grundwasserleiter) in etwa 18 Metern Tiefe bearbeitet werden – unterhalb einer Torfschicht wurde nahezu salzhaltiges Nordseewasser zu Tage gefördert. Zunächst 16 Brunnen brachten daraufhin die Experten der Firma Christoffers ins Erdreich, um die Grundwasserpegel abzusenken. Damit ist noch nicht Schluss: „Weitere 15 sogenannte Entlastungsbrunnen werden noch hinzukommen“; erklärt Bennen.
Das ist notwendig, um sicherzustellen, dass beide Grundwasserleiter (der im oberen Bereich mit wenig salzhaltigem, der im unteren Bereich mit stark salzhaltigem Nordseewasser) bestehen und nicht vermischt werden. „Die Schichtung oberhalb und unterhalb der trennenden Torfschicht darf nicht gestört werden“, so Bennen.
Frostsicheres System
35.000 Liter pro Stunde für den ersten Grundwasserleiter, weitere bis zu 100.000 Liter pro Stunde für die Pfahlbohrarbeiten müssen abgepumpt und fachgerecht entsorgt werden. Dafür hat das Projektteam mit Bau-Geschäftsführer Oliver Leinert und Projektleiter Menhard Schoof von der Firma Strabag eine etwa zwei Kilometer lange Pipeline bauen lassen. Darin integriert wurden auch vorhandene, nicht mehr genutzte Rohrleitungen für Wasser und Gas. Endpunkt ist der Verteilerplatz 6 der Nord-West-Kavernen-Gesellschaft (NWKG) an der Helderei. Von dort aus wird das Grundwasser über deren Leitung zurück in die Nordsee gepumpt. Zunächst wird das Grundwasser vorgereinigt – in sogenannten Abscheidern wird das Wasser zwischengelagert, damit sich der Sand am Boden absetzen kann.
Sollte die Pipeline durch eine Störung ausfallen, stehen für den Notfall riesige Container bereit, in denen das Grundwasser zwischengelagert oder notfalls per Lkw abgefahren werden kann – wie dies vor dem Bau der Pipeline der Fall war.
Damit das Abpumpen und der Durchfluss in den Rohren stets kontinuierlich funktioniert, muss gerade in den mitunter kalten Wintermonaten Vorsorge getroffen werden. Da kommen wieder die Experten zur Grundwassersenkung vom Zuge. „Wir haben das System frostsicher gemacht“, sagt Diplom-Ingenieur Bennen. Die an der Spundwand entlanglaufenden Leitungen wurden dazu mit Schaumstoff eingepackt und mit einer elektrischen Begleit-Heizung aufgerüstet.“
Die Leitungen sind mit sogenannten Frostwächtern versehen worden. „Fällt die Temperatur weit unter null Grad Celsius, springt die Heizung an. Aber nur dann“, so der 52-Jährige.
