Vor 50 Jahren musste sich das Zweiradwerk Achilles in Langewerth dem aufkommenden Autoboom geschlagen geben. Nun erinnert eine Ausstellung an diesen Teil Wilhelmshavener Wirtschaftsgeschichte.
Von Kristin KleyhauerWilhelmshaven
Den Oldtimermarkt in Mannheim, den Gerhard Tolle vor vier Jahren besuchte, wird der Auricher wohl nicht mehr vergessen. Denn dort entdeckte der Tüfteler ein echtes Schmuckstück: den Prototypen des Achilles-Rollers „175er Sport“. Wobei das Wort Schmuckstück eigentlich erst jetzt zu dem Gefährt passt. In den vergangenen vier Jahren hat Tulle den Roller nämlich wieder hergerichtet.Der Oldtimer-Freund nahm das gute Stück aus dem Hause Achilles komplett auseinander, bis auf die letzte Schraube. „Es musste alles neu verchromt werden. Außerdem wurde der Roller neu gestrahlt.“ Übrigens in dunkelrot, einer der drei Original-Achillesfarben. „Unter der Zündabdeckung habe ich Farbreste gefunden“, erklärt der Ostfriese. Dieser Roller ist einmalig, denn es kam am Ende der 50er-Jahre nicht mehr dazu, dass er in Serie produziert wurde. 1958 schloss Werkschef Ernst Weikert den Betrieb. Die Zweirad-Industrie knickte damals ein, da immer mehr Menschen auf das komfortablere Auto umstiegen.
Der „175er Sport“ kann ab dem 7. November im Küstenmuseum bestaunt werden. Denn dann wird dort um 11.30 Uhr die Ausstellung „Auf zwei Rädern ins Wirtschaftswunder“ eröffnet. Sie zeigt die Geschichte der Achilles-Werke, die von 1949 bis 1958 in Langewerth Wilhelmshavener Wirtschaftsgeschichte schrieben.
Ewald Bleckmann war Konstrukteur bei Achilles. Er ist auch „der Vater“ des „175er Sport“. Deshalb war seine Freude natürlich besonders groß, als Gerhard Tolle ihm vor vier Jahren von seinem Fund erzählte und ihm vor Kurzem nun das restaurierte Prachtstück zeigte.
Für die Ausstellung haben zahlreiche Sammler und Oldtimer-Freunde ihre Roller, Mopeds, Fahrräder und Zubehör zur Verfügung gestellt. Tanja Kwiatkowski, wissenschaftliche Leiterin des Küstenmuseums, und ihre Mitarbeiter haben zahlreiche Interviews mit ehemaligen Angestellten des Achilles-Werkes mit Sammlern und mit Jostpeter Weikert, dem Sohn des ehemaligen Werksleiters Ernst Weikert, geführt. „Dabei sind ganz viele spannende Geschichten zusammen gekommen“, macht Kwiatkowski neugierig auf die Ausstellung.
Mit dem Thema „Auf zwei Rädern ins Wirtschaftswunder“ verfolgt das Küstenmuseum ein bestimmtes Konzept, mit dem die Wilhelmshavener Touristik und Freizeit GmbH (WTF) langfristig die Besucherzahlen des Museums erhöhen möchte. „Wir wollen Sonderausstellungen anbieten, die etwas mit Wilhelmshaven zu tun haben aber gleichzeitig so spannend sind, dass sie auch Besucher von Außerhalb anziehen“, erklärt der Geschäftsführer der WTF, Raymond Kiesbye.
Die Geschichte von Achilles ist ein solches Thema. Die Besucher, die erst einmal den Weg ins Küstenmuseum gefunden hätten, gäben ihm ausgezeichnete Noten. „Es sind aber einfach zu wenige“, betonte er.
Mit der neuen Ausstellung, zeigt das Küstenmuseum ein Stück Wilhelmshavener Wirtschaftsgeschichte. Viele Menschen können sich an die Achilles-Werke erinnern und verbinden selbst etwas mit der Marke.
„Wir waren erstaunt, wie viel wir bei unserer Recherche herausgefunden haben und wie viele Exemplare der verschiedenen Typen es noch gibt“, sagt Tanja Kwiatkowski.
Die Ausstellung läuft bis zum 19. April 2009.
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