Wilhelmshaven - Wenn Küstenbewohner mit einem Wetterphänomen vertraut sind, dann ist es der Sturm. Die neueste Ausstellung „Oh clouds, oh storms, oh winds... - Kunst im Sturm“, die mit einem ganzen Reigen an Veranstaltungen am Wochenende offiziell eröffnet wurde, widmet sich genau diesem Thema. „Wir freuen uns, dass so viele der teilnehmenden Künstler neue Arbeiten für die Ausstellung konzipiert haben“, sagt Kunsthallen-Leiterin Petra Stegmann. Tatsächlich sind ein Großteil der Arbeiten in dieser Form erstmals in Wilhelmshaven zu sehen. Mit „in Wilhelmshaven“ ist in diesem Fall nicht nur die Kunsthalle selbst gemeint: Wer besonders aufmerksam im Stadtgebiet unterwegs ist, wird auch an einigen anderen Orten „stürmische“ Kunst entdecken. Vor dem Rathaus wehen seit Mittwoch etwa die „Windskulpturen“, eine Rekonstruktion einer historischen Arbeit von Ursula Sax, während vor der Kunsthalle und am Helgolandkai die beinahe zerfließenden Arbeiten der Kielerin Liza Dieckwisch im Wind flattern. Die Kölner Künstlerin Julia Gruner hat von Wilhelmshavenern gesammeltes Treibgut und eigene Funde fotografisch festgehalten und auf großflächigen Flaggen angeordnet, die jetzt ebenfalls am Helgolandkai und vor der Volkshochschule zu sehen sind.
Anfassen und Ausprobieren ist ab und an gewollt
Dass die betreffenden Werke im Ausstellungszeitraum Wind und Wetter ausgesetzt sind, ist gewollt: „Das Zufällige ist Teil des Themas. Wir können nicht vorhersagen, wann der nächste Sturm kommt und wie sich die Arbeiten im Sturm verändern“, sagt Petra Stegmann. Neben bildlichen und multimedialen Arbeiten sind im Innenraum und im Hof der Kunsthalle Werke vertreten, die den Besucher dazu einladen, mit ihnen zu interagieren.
Und das mit allen Sinnen: Die in London geborene Komponistin und Künstlerin Kaffe Matthews hat ein Podest konstruiert, das mit Hilfe von zwölf Lautsprechern ein beeindruckendes Klang- und Fühlerlebnis schafft. Hier dürfen sich die Besucher auf die Plattform legen und die Vibrationen und Bewegungen der Bässe am eigenen Leib spüren.
Kunsthalle kooperiert mit vielen Partnern
Die Inspiration für dieses Projekt kam der in Berlin lebenden Künstlerin während einer Reise durch eine mongolische Wüste. „Wenn der Wind über die Sanddünen bläst, spürt man die Vibrationen am ganzen Körper - es klingt, als würde die Erde mit einer tiefen Stimme singen“, erzählt Matthews. Ihre Kompositionen und Klangtechnik zu installieren sei im Arbeitsprozess äußerst spannend - denn wie es vor Ort klingt und wirkt, könne man bei der Arbeit im Atelier noch nicht ahnen.
Auch bei dieser Ausstellung laden wieder viele Veranstaltungen zum Ausprobieren, Experimentieren und Lernen ein. Die Kunsthalle kooperiert dafür mit Musikern, dem Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung und „Tee Bakker“. Besonders unterhaltsam soll auch der „Sturmspaziergang“ werden, bei dem ein von Julia Gruner aus Leinwand und Acryl gefertigter Regenmantel auf seine Wettertauglichkeit geprüft wird.
„Oh clouds, oh storms, oh winds... - Kunst im Sturm“ ist bis einschließlich Sonntag, 18. Februar, in der Kunsthalle zu sehen.
